Dialog-Chef Oliver Brüß „In der BU bestehen noch große Versorgungslücken“

Oliver Brüß
Oliver Brüß © Dialog

Seit rund sieben Monaten ist Oliver Brüß neuer Vorstandssprecher der Dialog Lebensversicherung. Wir sprachen mit ihm über seine persönlichen Ziele, den Markt nach dem LVRG und weitere Herausforderungen, die sich am Horizont abzeichnen.

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Pfefferminzia: Sie sind nun seit Oktober 2014 neuer Chef der Dialog. Welche Ziele haben Sie sich persönlich gesetzt?

Oliver Brüß: Mein Ziel ist es, die Dialog in ihrer spezifischen Ausrichtung als der Spezialversicherer für biometrische Risiken im Maklermarkt weiter zu stärken und unsere Marktposition auszubauen.

Wie wollen Sie das umsetzen?

Wir setzen erstens auf gute Produkte, zweitens auf schlanke, vertriebsorientierte Prozesse und drittens auf vertriebsunterstützenden Service. Was heißt das konkret? Im Bereich Produkte beobachten wir laufend den Markt und bieten unseren Vertriebspartnern ein wettbewerbsfähiges und bedarfsgerechtes Produktangebot. Speziell in der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit haben wir für unsere Vertriebspartner ein integrales Beratungskonzept zur Arbeitskraftsicherung entwickelt. Durch Digitalisierung aller Prozesse entlang der Wertschöpfungskette unserer Vertriebspartner helfen wir ihnen, noch schneller und effizienter zu werden.

Ein gutes Beispiel ist hier unsere Berater-App zur medienbruchfreien und individuellen Kundenberatung. Neben der Technik setzen wir auch weiterhin auf den persönlichen Service durch unsere Maklerbetreuer vor Ort und vertriebsorientierte Unterstützung aus der Zentrale. Beispiele sind die telefonische Unterstützung bei der Antragserstellung, unsere Schnellschiene zur Policierung innerhalb von 24 Stunden oder unser BU-Service-Call mit telefonischer Eingangsbestätigung und qualifizierter Ersteinschätzung eines jeden eingehenden BU-Antrags.

Wo gibt es aus Ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf?

Die Produkte sind in ihrer Merkmal- und Preisgestaltung immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls an sich wandelnde Kundenbedürfnisse anzupassen. Die Antragsprozesse sind weiter zu verbessern, die Digitalisierungsstrategie ist konsequent umzusetzen.

2014 war ein gutes Jahr für die Dialog. Profitieren Sie davon, dass biometrische Produkte nicht von den Provisionsänderungen durch das LVRG betroffen sind und viele Makler daher die Biometrie als lohnendes „Ersatzgeschäft“ sehen?

Entscheidend ist der Kundenbedarf und nicht die Provision. In der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit bestehen noch große Versorgungslücken, im Bereich Pflege steigt das Risikobewusstsein. Die abnehmende Bedeutung der kapitalbildenden Lebensversicherung mit Todesfallabsicherung führt zu einem wachsenden Absicherungsbedarf mit der selbstständigen Risikolebensversicherung. Die anhaltende Niedrigzinssituation erhöht perspektivisch bei allen Lebensversicherungsprodukten den Kostendruck. Das geht auch im Bereich der Biometrie mit Provisionsänderungen einher. Anderenfalls sähe ich die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte gefährdet.

Wie schätzen Sie die Aussichten für 2015 ein?

Verhalten positiv. Die Absicherungsbedarfe der Kunden nehmen zu, aber teilweise ist auch eine Verunsicherung und Kaufzurückhaltung festzustellen. Wir werden weiter wachsen, sehen uns aber wegen der Attraktivität biometrischer Produkte einem extremen Wettbewerb ausgesetzt.

Dazu kommen nach dem LVRG weitere regulatorische Veränderungen wie die europäische Vermittlerrichtlinie IDD, die zu neuen Anforderungen und Herausforderungen bei unseren Vertriebspartnern führen kann.

Zudem belasten die neuen Anforderungen nach Solvency II sowie das Thema Zinszusatzreserve die Branche in Teilen sehr. Hier hat die Dialog aufgrund ihrer Positionierung allerdings nichts zu fürchten.
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