Eine Frau arbeitet in einer Werkstatt in Bamberg im Beruf als Metallbauerin: Der Demografie-Forscher Sebastian Klüsener wünscht sich eine bessere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt, um die Einzahlungen in die gesetzliche Rente zu stärken. © picture alliance / Fotostand | Fotostand / K. Schmitt
  • Von Lorenz Klein
  • 24.01.2022 um 11:19
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Der Demografie-Experte Sebastian Klüsener hält es derzeit für unnötig, über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre zu diskutieren. Stattdessen müsse mehr dafür getan werden, dass Menschen länger ihren Beruf ausüben können – dies würde helfen, der ungünstigen demografischen Entwicklung entgegenzuwirken, wie der Berater der Bundesregierung in einem Interview erklärte.

Der Demografie-Forscher Sebastian Klüsener unterstützt die These von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), wonach eine Anhebung des Rentenalters über 67 Jahre hinaus keineswegs alternativlos sei. „Aus demografischer Sicht sehe ich keinen Anlass, jetzt über die Rente mit 68 zu reden“, sagte der Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (bezahlpflichtig).  

Zwar halte er es für wichtig, „Bevölkerung und Politik dafür zu sensibilisieren, dass wir durch die Alterung der Babyboomer-Generation in den nächsten 20 Jahren vor Herausforderungen stehen“. Es bestünde aber noch viel Potenzial, so Klüsener weiter, „die Fähigkeiten und Erfahrungen älterer Menschen für den Arbeitsmarkt besser zu erschließen und Frauen eine höhere Erwerbsbeteiligung zu ermöglichen. Dies sollten wir durch kluge Strategien nutzen“.

Zudem wies der Forscher gegenüber der SZ darauf hin, dass das gesetzliche Rentenalter bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre steige, das tatsächliche Renteneintrittsalter derzeit aber bei nur 62,2 Jahren liege. Vor diesem Hintergrund sei es erforderlich, die Gesundheitsvorsorge zu verbessern, damit die Menschen die Anforderungen ihres Berufs auch bis ins höhere Alter erfüllen könnten. „Diese Prävention wurde in Deutschland Jahrzehnte lang stark vernachlässigt“, kritisierte Klüsener. Als eine Maßnahme nannte der Forscher die altersgerechte Ausgestaltung und Ausstattung der Arbeitsplätze, um etwa den heute weitverbreiteten Rückenleiden vorzubeugen.

Forscher über Erwerbsarbeit von Frauen und Zuwanderung

Auch mit Blick auf die Erwerbsarbeit von Frauen sieht der Wissenschaftler noch viel schlummerndes Potenzial. Zwar liege der Prozentsatz der Frauen in Deutschland, die Arbeit hätten oder suchten, mit 78,2 Prozent „schon recht hoch“. Allerdings sei die Zahl der Arbeitsstunden, die Frauen leisteten, gerade in Westdeutschland „noch relativ gering“. Grund hierfür sei, dass sich weiterhin Frauen mehr um die Kinder kümmerten. „Durch den Ausbau der Kinderbetreuung ist das zwar heute schon deutlich besser geworden, lässt sich aber noch erheblich steigern“, konstatierte Klüsener.

Den Plan der Ampel, mehr „erwerbsbezogene und qualifizierte“ Zuwanderung zu erreichen, um die negativen Folgen der demografischen Entwicklung zu mindern, kommentierte Klüsener mit einem „durchaus nicht leicht“. So wies er darauf hin, dass etwa in Osteuropa, von wo aus seit den 1990er-Jahren sehr viel Zuwanderung erfolgt sei, ebenfalls „ein sehr starker Alterungsprozess im Gange“ sei. Daher würden künftig aus Osteuropa „wahrscheinlich nicht mehr in dem Maße Menschen zu uns kommen wie bisher“, so der Demografie-Experte.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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