Unter dem Motto „Wir geben Orientierung!“ lud der Continentale Versicherungsverbund zum 18. PKV-Forum ein. Zum ersten Mal trug die Veranstaltung dabei ein „+“ im Namen, denn seit diesem Jahr werden auch übergeordnete Themen, die nicht spartenbezogen sind, ins Programm miteinbezogen. Auf der Agenda 2018 standen zwei Themenbereiche: „Gerechtigkeit im deutschen Gesundheitswesen“ und „Was leistet die Medizin von morgen – was nicht?“

Die Journalistin und Moderatorin Tanja Samrotzki führte souverän durch den Veranstaltungstag im Kölner Gürzenich. Den Eröffnungsvortrag hielt gewohnt gut gelaunt Wolfgang Bosbach. Der langjährige Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses umriss das Thema „Gerechtigkeit? Was wir vom Staat erwarten". Eine Kernthese: Der Staat könne die Erwartungen der Bevölkerung unmöglich erfüllen, weil sie zu verschieden seien, zumal jeder etwas Anderes unter Gerechtigkeit verstehe und man als Deutscher ohnehin gerne klage, auch wenn etwa das deutsche Gesundheitssystem zu den besten der Welt zähle. „Sich über etwas freuen, ist einfach nicht unsere Kernkompetenz“, so Bosbach.

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Einen Impulsvortrag zum Thema Gerechtigkeit hielt Christiane Woopen, Professorin für Ethik und Theorie der Medizin an der Universität Köln. Sie unterteilte die Frage im deutschen Gesundheitswesen in die Zugangsgerechtigkeit (erhält jeder gleichermaßen Zugang zu medizinischem Fortschritt?) und in die Verteilungsgerechtigkeit (wie werden knappe Ressourcen im Gesundheitswesen verteilt?). Ausgehend von einer Grunddefinition „Gerechtigkeit ist das, was jedem Menschen gerechtfertigterweise als das ihm Angemessene zukommt“, erläuterte Professorin Woopen verschiedene Thesen zu Verantwortung, Solidarität und Diskriminierung im deutschen Gesundheitssystem.

PKV versus GKV – was ist gerechter?

Eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde vertiefte die gestellten Fragen zur Gerechtigkeit im deutschen Gesundheitswesen und geriet hier immer wieder in das Spannungsfeld zwischen GKV und PKV. Professor Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, bekannte: „Wir können einfach nicht sagen, was besser und gerechter ist.“ Auch Wirtschaftsexperten seien sich da nicht einig. „Die zunehmende Volatilität an den Finanzmärkten bedroht aber alle kapitalgedeckten Kranken- und Rentenversicherungsverfahren“, sagte Straub. Dies spräche eher für ein Umlageverfahren, das jedoch durch die demographische Entwicklung unter Druck stehe. Dies könne durch qualifizierte Zuwanderung entlastet werden.

Marcus Kremer, Vorstandsmitglied im Continentale Versicherungsverbund, unterstrich die hohe Kundenzufriedenheit in beiden Systemen und betonte die Qualität des historisch gewachsenen Gesundheitssystems aus GKV und PKV. Gerade der Wettbewerb innerhalb der Systeme und untereinander gehe mit einer hohen Innovationsfreude in der Medizintechnik einher. „Eine Einheitsversicherung im Stil der Bürgerversicherung würde sicher zu einer deutlichen Verschlechterung des Versorgungsniveaus führen“, so Kremer.

Keine Hausbesuche auf dem Land mehr?

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, stellte zudem die Zugangsgerechtigkeit etwa bei der medizinischen Versorgung in bestimmten ländlichen Gebieten auf den Prüfstand und berichtete aus Schweden: „Dort gibt es keine Hausbesuche von Ärzten auf dem Land. Die Ambulanz bringt Patienten über 150 Kilometer in die nächste Poliklinik, weil das insgesamt günstiger kommt“. Eine Facharztversorgung in jeder deutschen Region sei nicht mehr gewährleistet, man müsse hier etwas tun, könne Ärzte aber auch nicht zur Ansiedlung zwingen.