Pfefferminzia: Warum ist die Cyber-Versicherung derzeit so ein heißes Thema?

Andreas Reinhold: Zum einen, weil die Digitalisierung enorme Chancen eröffnet. Der Internetverband Bitkom schätzt, dass Digitalisierung und „Industrie 4.0“ bis zum Jahr 2025 ein zusätzliches Wirtschaftswachstum in Höhe von 270 Milliarden Euro bewirken können. Von diesem Kuchen möchte jeder ein Stück haben. Zum anderen besteht erheblicher Nachholbedarf in der eigenen Internetsicherheit und in der Absicherung eines Schadenfalls. Weniger als 5 Prozent aller Gewerbekunden haben bisher eine Cyber-Police. Das heißt im Umkehrschluss: In 95 Prozent der Fälle trifft der Makler, der das Thema beim Kunden anspricht, auf eine Deckungslücke.

Sind diese Policen nicht eher etwas für Großunternehmen?

Das ist die bisherige Wahrnehmung. Aber nein, so ist es nicht. Denn Mittelständler sind ebenso betroffen. 2015 wurde etwa das Restaurant „Auerbachs Keller“ in Leipzig Opfer eines Hackerangriffs. 2016 traf es das Lukas-Krankenhaus in Neuss. Anfang dieses Jahres erfolgte eine Cyber-Attacke auf eine Bäckerei und legte die Kommunikation mit den Filialen lahm. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer ist bei diesen Angriffen sehr hoch.

Wie kann ein Cyber-Schaden entstehen?

Nehmen wir das Beispiel „Auerbachs Keller“. Über Monate hinweg griffen Internet-Kriminelle die Kreditkartendaten der Gäste ab. Sie gingen dann in großem Stil in New York auf Kosten der Restaurantbesucher shoppen. Experten aus London mussten eingeflogen werden, um das Datenleck zu schließen. Schadenersatzforderungen gegen das Lokal mussten abgewehrt oder beglichen werden.

Welche dieser Risiken versichern Sie?

Typischerweise besteht eine Cyber-Versicherung aus drei Hauptkomponenten. Erstens die Erstattung von Eigenschäden, insbesondere die Kosten für IT-Forensiker, die Art und Umfang des Schadens beurteilen und ihn beheben. Zweitens begleicht die Police berechtigte Schadenersatzansprüche Dritter. Und schließlich können als dritter Punkt optional die Kosten für die Betriebsunterbrechung übernommen werden. Auch die Fahrlässigkeit der Mitarbeiter ist versichert, wenn sie versehentlich verseuchte E-Mail-Anhänge öffnen. Oder die Kosten für Rechtsberatung und Krisenmanagement, um die Reputation des Unternehmens wiederherzustellen. Denn Schäden belaufen sich hier schnell auf mehrere 10.000 Euro.

Gibt es Unterschiede zu anderen Sparten?

Definitiv. Bei der Cyber-Versicherung haben die aktive Hilfe im Schadenfall und die Prävention viel mehr Gewicht als in anderen Sparten. Wenn Sie als Handwerker Ihren PC starten und ein Krypto-Trojaner Ihre Kundendaten verschlüsselt hat, brauchen Sie jemanden, der Ihnen schnell und konkret sagt, wie Sie den Schädling wieder loswerden. Hierfür bieten wir eine Hotline an, die rund um die Uhr verfügbar ist. Und in den 20 bis 30 Prozent der Fälle, in denen der Telefonkontakt nicht ausreicht, arbeiten wir mit einem bundesweiten Expertennetzwerk zusammen, das unsere Kunden vor Ort bis zur Lösung des Problems begleitet.