Gerade kleine Unternehmen haben Schwierigkeiten, alle Datenschutz-Anforderungen im Blick zu behalten. © picture alliance / Bildagentur-online/Blend Images | Blend Images/FS Property releaseoductions
  • Von Achim Nixdorf
  • 17.09.2021 um 16:23
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Die strengen Datenschutzauflagen in Deutschland und Europa sorgen nicht nur für viel Aufwand in den Unternehmen, sondern bremsen auch Innovationen aus. Das zeigt eine neue Bitkom-Studie. Neun von zehn Firmen mussten demnach bereits Projekte wegen zu hoher Datenschutz-Anforderungen stoppen.

Ein aufwändiger Prüfprozess vor der Einführung jedes digitalen Tools, regelmäßig neue Entscheidungen der Aufsichtsbehörden und immer wieder neue Gerichtsurteile – die Anforderungen an den Datenschutz setzen Unternehmen in Deutschland immer stärker unter Druck und behindern Innovationen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung von 502 deutschen Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmen sind demnach der Auffassung, dass der Datenschutz die Digitalisierung erschwere. Und die Hälfte ist der Ansicht, dass das Land es mit dem Datenschutz übertreibe. Zugleich erhalten auch die Aufsichtsbehörden keine guten Noten für ihre Beratung.

„Unternehmen stehen unter permanenten Stress“

„Dem Datenschutz kommt in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Den Unternehmen fehlt es aber zunehmend an Planbarkeit und Verlässlichkeit“, sagt Bitkom-Geschäftsleiterin Susanne Dehmel.

„Unternehmen stehen beim Datenschutz unter permanenten Stress. Sie wollen den Anforderungen Genüge tun, aber dazu müssen sie nicht nur europaweit Gerichtsurteile verfolgen und die unterschiedliche Auslegung aus den Mitgliedsstaaten kennen, sondern sich zusätzlich mit 18 verschiedenen Lesarten von Datenschutzaufsichten allein in Deutschland auseinandersetzen. Das ist vor allem für kleinere Unternehmen immer schwerer zu stemmen.“

Hoher Aufwand

Vier von zehn (42 Prozent) Unternehmen beklagen dann auch, dass sie seit Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mehr Aufwand hätten. Ein weiteres Drittel (32 Prozent) geht sogar davon aus, dass der Aufwand weiter steigen wird. Zwei Drittel der Unternehmen (65 Prozent) haben nach eigenen Angaben die DSGVO bereits vollständig oder größtenteils umgesetzt, drei von zehn (29 Prozent) haben die Umsetzung allerdings erst teilweise geschafft – und 5 Prozent stehen damit noch ganz am Anfang. „Vor allem kleinere Unternehmen kommen nur noch langsam voran“, heißt es bei Bitkom. Viele erwarteten sich daher von den Aufsichtsbehörden mehr Unterstützung.

„Um den Datenschutz in den Unternehmen nachhaltig zu befördern, reicht es nicht, Beschwerden abzuarbeiten und bei nachgewiesenen Verstößen Bußgelder zu verhängen“, so Dehmel. „Für den gelebten Datenschutz könnte viel mehr erreicht werden, wenn die Aufsichtsbehörden präventiv tätig würden und Unternehmen bei der praktischen Umsetzung der Datenschutzvorgaben unterstützten, indem sie konkrete Auskünfte erteilen und praxisnahe Empfehlungen geben.“

Datenschutz bremst Innovationen aus

Der Datenschutz sorgt aber nicht nur für viel Aufwand, er bremst auch Innovationen in der deutschen Wirtschaft aus. So gaben bei der Befragung neun von zehn Unternehmen (86 Prozent) an, Projekte schon einmal wegen Unklarheiten im Umgang mit der DSGVO gestoppt zu haben. Am häufigsten betroffen war der Aufbau von Datenpools (54 Prozent), dahinter folgen Prozessoptimierungen im Bereich der Kundenbetreuung (37 Prozent), Projekte zur Verbesserung der Datennutzung und der Einsatz neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Big Data (je 36 Prozent).

„Digitale Technologien sind quer durch alle Branchen die wichtigsten Innovationstreiber. Wir brauchen eine bessere Balance von Datenschutz und Datennutzung“, fordert Dehmel. Die Unternehmen erwarteten daher zu Recht, dass die nächste Bundesregierung das Thema ganz oben auf ihre Agenda setzt und eine Anpassung der DSGV vornimmt.

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Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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