Lars Golatka ist Bereichsvorstand bAV der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstandsvorsitzender der Deutscher Pensionsfonds AG © Zurich
  • Von Oliver Lepold
  • 23.09.2020 um 10:50
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Würde eine Pflicht zur Altersvorsorge über den Betrieb die Verbreitung von Betriebsrenten hierzulande erhöhen? Ja, meint Lars Golatka, Bereichsvorstand bAV der Zurich Gruppe Deutschland. Und das wäre auch gut so, denn die betriebliche Altersversorgung sei privaten Verträgen immer überlegen. Teil 2 seines Interviews.

Pfefferminzia: In Großbritannien besteht eine Pflicht-bAV mit der Möglichkeit eines Opt-outs für den Arbeitnehmer. Die Verbreitung stieg dadurch enorm. Wäre das auch erstrebenswert für Deutschland?
Lars Golatka: Die internationale Erfahrung zeigt, dass bei Einführung einer solchen auto-enrolment-Lösung rund 90 Prozent der Arbeitnehmer das Angebot annehmen. Möglicherweise wäre in Deutschland die Opt-out-Quote etwas höher, weil es hierzulande auch noch viele andere Versorgungsmöglichkeiten gibt. Dennoch würde ich bei einer Umsetzung 80 Prozent plus x erwarten. Zum Vergleich: Derzeit haben wir nur rund 50 Prozent bAV-Versorgung In Deutschland. Ich empfinde eine solche Lösung daher als durchaus sinnvoll.

Welche typischen Bedenken haben Arbeitgeber in der Regel in Sachen bAV und mit welchen Argumenten können Makler diese ausräumen?
Es gibt hauptsächlich zwei Vorurteile: das Haftungsthema und die Komplexität. Das Haftungsthema ist ausführlich besprochen. Wir stellen unseren Maklern eine spezifische Haftungsfreistellungserklärung zur Verfügung, die auf den jeweiligen Arbeitgeber bezogen ist. So kann der Makler dem Arbeitgeber in der Beratung klar vermitteln, dass dieser nicht haftet, wenn er über ihn die bAV-Produkte von Zurich abschließt. Der Kunde kann sich dann sicher sein, dass alles arbeitsrechtlich, steuerrechtlich und sozialversicherungsrechtlich sauber ist. Die Dokumentation belegt dies. Haftungssorgen spielen bei klarer Kommunikation des Maklers in der Vertriebspraxis heutzutage keine Rolle mehr.

Und der andere Punkt, der Aufwand mit Dokumentation und Verwaltung einer bAV im Unternehmen?
Wir sehen hier zwei Sorten von Maklern. Der eine übernimmt diese Aufgaben gerne bewusst und persönlich, er koordiniert dies alles mit einem schlanken Verfahren für den Kunden. Andere stellen dem Arbeitgeber ein modernes Tool mit jederzeitiger Transparenz zur Verfügung. Dort kann der Arbeitgeber eigene Themen hineinspielen, bei größeren Firmen können auch weitere Funktionen angeschlossen werden. Die Komplexität lässt sich gut beherrschen, ohne dass der Arbeitgeber dafür neue Mitarbeiter einstellen muss. In mittleren und größeren Unternehmen kommt es gut an, wenn man sich über Schnittstellen direkt an das Abrechnungssystem des Arbeitgebers anschließen kann. Über das Portal können die Mitarbeiter Änderungen auch direkt in das System melden. Das ist eine Dienstleistung von uns, die gut ankommt. Für mich ist die Digitalisierung ein zentraler Erfolgsfaktor für die Reform der Altersvorsorge.

Was ist Arbeitnehmern besonders wichtig bei der bAV?
Früher war die Diskussion, ob sich eine bAV lohnt, noch deutlich intensiver. Das hat sich spätestens mit dem Arbeitgeberzuschuss des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, kurz BRSG, geändert. Heute kann der Makler den Arbeitnehmern die Vorteile der bAV ganz einfach ausreichen. Selbst ohne nennenswerte Verzinsung – allein durch die Zuschüsse und die Kostenvorteile eines kollektiven Vertrags – lohnt es sich. Und zwar fast immer. Es gibt allenfalls manchmal die Konstellation, dass eine Riester-Rente noch besser sein könnte. Wenn diese Option aber nicht vorhanden ist oder ohnehin separat durchgeführt werden soll, ist die bAV von der Effizienz und der Rendite her die beste Wahl! Zu entscheiden ist dann nur noch, ob die Zahlung wirklich für die Rente oder flexibler verfügbar sein soll. Dann sind private Altersversorgungsvertäge eine sinnvolle Ergänzung.

Inwieweit ist die Fungibilität einer bAV bei Wechsel des Jobs immer noch begrenzt?
Die Verträge an sich sind meist nicht fungibel, aber man kann das Versorgungskapital in vielen Fällen auf andere Versorgungsträger übertragen, einfacher als noch vor zehn Jahren. Man ist dann allerdings stets in der Rechnungszins- und Produktkategorie-Welt des neuen Arbeitgebers. Wenn man öfter wechselt, und die alten Verträge behalten möchte, entstehen diverse kleine Versorgungsansprüche. Das ist natürlich nicht ideal. Der Gesetzgeber hat hier zwar schon einiges vereinfacht, aber die Branche sollte es schaffen, die alte Produktwelt in Hinblick auf die Flexibilität noch deutlich mehr zu modernisieren. Das geht einfach noch besser. Die Lebensentwürfe haben sich schließlich verändert, kaum jemand verbringt mehr 30 Jahre bei einem einzigen Arbeitgeber.

Was beschäftigt Sie in Sachen bAV derzeit am meisten?
Wir brauchen politische Stabilität bei der bAV. Anstelle, dass wir immer wieder neue Themen diskutieren, sollten wir bei einem Projekt bleiben und es schrittweise immer weiter verbessern. Das bringt Stabilität,Zuversicht und Vertrauen. Das Sozialpartnermodell zeigt zudem: Es braucht mehr Transparenz für die Sozialpartner-Rolle und einfache Zugangswege zum Sozialpartnermodell auch für nicht-tarifgebundene Unternehmen – Stichwort: individuelle Betriebsvereinbarung.

Auch das Thema Digitalisierung beschäftigt mich. Wir achten darauf, dass sich daraus stets ein Mehrwert für unsere Kunden oder Partner ergibt. Die daraus resultierenden Effizienzen kann man beispielsweise in Form von geringeren Kosten direkt an den Kunden weitergeben. Eine wichtige Fragestellung ist, ob man die Digitalisierung nutzen kann, um ein zusätzliches Service-Erlebnis zu generieren. Es sollte schöner und einfacher werden, zu beraten und einen Vertrag abzuschließen. Ich höre noch zu viel über Prozesse und Automatisierung in der Versicherungswirtschaft, die keinen echten Mehrwert bieten.

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Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

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