Das Marktpotenzial ist nach wie vor riesig: Aktuell besitzen rund 70 Prozent der berufstätigen Deutschen noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung. © picture alliance/Kirill Kallinikov/Sputnik/dpa
  • Von Lorenz Klein
  • 10.10.2019 um 03:20, aktualisiert am 14.10.2019 um 12:15
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Die Prämienhöhe und das als gering erachtete persönliche Risiko sind die Hauptgründe, warum Menschen vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zurückschrecken. Das zeigt die Studie „Trendmonitor Finanzdienstleistungen“, die Menschen auch danach gefragt hat, worauf es ihnen bei einer BU ankommt.

Aktuell besitzen rund 70 Prozent der berufstätigen Deutschen noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – und daran habe sich seit 2014 nur wenig geändert, konstatieren die Autoren der Studie „Trendmonitor Finanzdienstleistungen“, die vom Marktforschungsunternehmen Nordlight Research herausgebracht worden ist. Dafür wurden rund 1.000 erwerbstätige Bundesbürger befragt (kostenpflichtiger Bezug hier).

Wesentliche Hürden beim BU-Abschluss sind demnach vor allem die Prämienhöhe und zugleich das als gering eingeschätzte persönliche Risiko. So bevorzuge der größte Teil der Zielgruppe einen eher geringen Auszahlungsbetrag – durchschnittlich liegt dieser bei 1.000 Euro Monatsrente – einhergehend mit einer geringen Prämie. Höhere Absicherungssummen werden demnach deutlich seltener präferiert und sind den meisten Berufstätigen schlicht zu teuer. „Lediglich Beschäftigte aus Berufen mit erkennbar größerem Risiko zeigen eine höhere Zahlungsbereitschaft für einzelne Leistungsbausteine“, heißt es.

Bundesbürger akzeptieren Preisunterschiede 

Weiter zeigt die Studie, dass eine Differenzierung der BU-Tarife nach Beruf, Alter und Gesundheit des Versicherungsnehmers bei den Betroffenen im Allgemeinen auf eine hohe Akzeptanz stößt. Allerdings nimmt auch nur jeder fünfte Befragte (20 Prozent) an, aufgrund des eigenen Berufs eine höhere Prämie zahlen zu müssen.

Generell ist neben der Prämienhöhe der Verzicht auf eine abstrakte Verweisung, also der Verzicht auf die Verpflichtung auch eine andere Berufstätigkeit auszuüben, für die Kunden das wichtigste Leistungsmerkmal einer BU. Wobei hier anzumerken ist, dass eigentlich keine Gesellschaft mehr auf diese überholte kundenunfreundliche Bedingung setzt.

Ebenfalls attraktiv aus Kundensicht ist demnach eine BU-Zahlung ab 6-monatiger Krankschreibung (AU-Klausel). Die Option einer flexiblen Nachversicherung spielt hingegen, ebenso wie die Anbietermarke, eine vergleichsweise weniger wichtige Rolle. Neuere digitale Kommunikationswege in der Beratung werden der Umfrage zufolge überwiegend kritisch betrachtet – sie eignen sich speziell im BU-Bereich daher „primär nur für den Kontakt mit Bestandskunden“, so die Autoren.

„Schlanke Produkte zu günstigen Prämien und gute persönliche Beratung – kundengerecht und nicht primär provisionsmaximierend – sind wichtig, um die Verbreitung der BU wirksam zu stärken“, sagt Torsten Melles von Nordlight Research. Produktgeber und Vermittler seien gefordert, Anreize durch „attraktive niedrigschwellige Angebote“ zu schaffen.

Sind günstige Prämien womöglich eher abschreckend? 

Zu einem etwas differenzierteren Bild kam indes eine andere Studie, die diesen Sommer erschien und die sich ebenfalls mit den Kundenanforderungen in Sachen BU-Schutz befasste (wir berichteten). „Qualitativ hochwertige Produkte mit höheren Preisen wirken vertrauenswürdiger und verringern das subjektive Kaufrisiko“, lautete demnach das Fazit von Oliver Gaedeke, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Sirius Campus, das die Studie verfasste.

„Mit Preisvorteilen lassen sich nur ganz wenige Kunden ansprechen. Ganz im Gegenteil schrecken Kampfpreise bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sogar einige Kunden ab“, so Gaedeke.

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Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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