Laut EZB-Chef Mario Draghi gleicht die niedrige Inflation die negativen Auswirkungen der niedrigen Zinsen aus. © Getty Images
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  • 08.06.2016 um 10:50, aktualisiert am 09.06.2016 um 08:59
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Schuldenmachen ist für den deutschen Fiskus dank der Niedrigzinsen historisch günstig. Wer bei der EZB Geld parkt, schaut jedoch in die Röhre. Doch wie wirkt sich der Nullzins bei den Verbrauchern aus?

Zur Bank braucht man sein Geld nicht mehr zu bringen. Sparbuch, Tages- und Festgeld werfen kaum noch etwas ab. Doch, so gibt EZB-Präsident Mario Draghi zu bedenken: Die niedrige Inflation gleiche die negativen Effekte der niedrigen Zinsen aus, sagt er. Derzeit liege die Verzinsung minus Inflation höher als im Durchschnitt der 1990er Jahre. Im Mai lagen die Verbraucherpreise hierzulande nach vorläufigen Berechnungen um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau, berichtet online die Nordwestzeitung.

Doch sind Sparer nicht sogar von Negativ- oder Strafzinsen bedroht? Finanzinstitute müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Für den durchschnittlichen Privatkunden sind Strafzinsen bislang kein Thema. Man werde „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen – in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“, sagte jüngst der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Wenn die aktuelle Niedrigzinsphase aber lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden letztlich nicht davor bewahren können.

Lebensversicherern fällt es immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Das hat gravierende Folgen für die Klassiker der Altersvorsorge. Die Folge: Deren Verzinsung sinkt seit geraumer Zeit. Auch Betriebsrenten leiden, Firmen müssen wegen der Zinsschmelze immer mehr Geld für die Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen. Viele Unternehmen versprechen bei Neueinstellungen daher keine konkreten Leistungen mehr, sondern sagen lediglich zu, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen. Das Zinsrisiko tragen die künftigen Pensionäre.

Auf der anderen Seite profitieren Verbraucher, wenn sie einen Kredit aufnehmen von derzeit sehr niedrigen Zinsen. Man könnte sagen, sie sparen bei Darlehen. Häuslebauer können sich zu historisch günstigen Konditionen Geld leihen. Laut Bankenverband (BdB) sind Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit zu Effektivzinsen von durchschnittlich etwa 1,4 Prozent zu haben. 2007 lagen sie noch bei mehr als fünf Prozent. Billiger ist es auch geworden, das eigene Konto zu überziehen. Vor fünf Jahren lagen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FMH im Schnitt noch bei 11,26 Prozent. Mittlerweile sind es demnach durchschnittlich 9,51 Prozent.

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Und der Staat? Mit der Ausgabe von Anleihen finanziert die öffentliche Hand einen Großteil ihrer Ausgaben. Am vergangenen Montag fiel die Umlaufrendite, die ein durchschnittliches Maß für die „Verzinsung“ von Staatspapieren mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren ist, in den negativen Bereich. Der Bund „verdient“ in einer solchen Situation an seiner eigenen Schuldenaufnahme, anstatt den Käufern der Anleihen einen Zins zu zahlen.

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