Auch in diesem Jahr haben sich der Bund der Versicherten und die Analysten von Zielke Research Consult die Solvenzberichte (SFCR) der privaten Krankenversicherer angeschaut. Zur Solvabilität scheint das Ergebnis eindeutig: „Die Unternehmen sind durchweg solvent. Doch das ist nicht überraschend, da die Kunden und Kundinnen selbst für die Solvenz geradestehen müssen“, heißt es im Bericht der Verbraucherschützer. 

Beitragsanpassungen, die die Kunden tragen müssten, stünden bei den meisten Versicherern jährlich an. „Die Auswertung der Kranken-SFCR-Berichte hat gezeigt, dass die Spielräume der Modellierung hoch sind und auf der Annahme bestehen, dass die Kunden und Kundinnen grundsätzlich Prämienerhöhungen mittragen. Dies wage ich anzuzweifeln", sagt Carsten Zielke. Er fordert, dass ein Krankenversicherer seine Kapitalanlage grundsätzlich so steuern sollte, dass Prämienerhöhungen im Alter vermieden werden können.

Die Versicherer könnten in der privaten Krankenversicherung deutlich entspannter sein als in der Lebensversicherung, so BdV-Chef Axel Kleinlein. Daher zeigten sich auch nur bei wenigen Unternehmen deutlich höhere Solvenzquoten als im Vorjahr. Meist hätten die Unternehmen das Niveau gehalten. 

„Wir gehen davon aus, dass die Kenngrößen der Risikomarge und der Gewinnerwartung stark von den Beitragsanpassungen getrieben werden. Daher haben die Treuhänder auch aus Sicht des neuen Aufsichtsrechts eine wichtige Rolle“, erklärt Kleinlein weiter.

Er bezieht sich dabei auf das Aufsichtsrecht nach Solvency II, das nun schon das zweite Jahr gilt. Im Bezug darauf hat das Treuhänderverfahren laut BdV weitreichende Folgen: „Je nachdem ob ein Treuhänder bei Beitragsanpassungen zustimmt und in welcher Höhe diese erfolgen, haben diese Anpassungen Auswirkungen auf die Solvenzergebnisse.“ 

Heute brauche man genau deshalb umso dringender „unzweifelhaft unabhängige Treuhändler“, so der Verbraucherschützer. Er sieht folgende Gefahr: „Das neue Aufsichtsrecht Solvency II weist diesen eine gestiegene Verantwortung zu. Die Gefahr ist daher groß, dass Unternehmen mit Blick auf die Solvenzzahlen den Treuhänder beeinflussen wollen könnten.“

Zudem erwartet Kleinlein weiteren Druck auf die Treuhänder: „Das kommende Urteil des Bundesgerichtshofs am 19. Dezember zu den Treuhändern und der Beitragsanpassung in der Privaten Krankenversicherung hat auch mittelbar Einfluss auf die Solvenzberichte.“

Das Ergebnis der Auswertung

Transparenzsieger ist, wie im Vorjahr, die Hallesche – wenn auch mit ein paar Einbußen. Der BdV schätzt den Solvenzbericht des Versicherers sowohl als umfassend als auch als nachvollziehbar ein, wie er in der Auswertung erklärt. 

Weitere PKV-Anbieter, die einen laut BdV transparenten Solvenzbericht vorgelegt haben, sind:  

  • Continentale
  • Barmenia
  • Debeka
  • DKV
  • Central Continentale
  • Signal Iduna

Nicht überzeugen können laut BdV:

  • Axa
  • Allianz
  • Huk-Coburg
  • BBKK

Zum Thema Solvenz im Allgemeinen sagte der BdV:

„Lediglich 22 Unternehmen weisen eine Solvenzquote auf, die wir als ‚angemessen’ und nicht überbordend einstufen können.“ Von den vier Unternehmen mit internem Modell weisen drei sehr starke Solvenzerhöhungen auf (Allianz, Axa und Central) während nur die DKV die Solvenz auf vergleichbarem Niveau belässt.