Guntram Overbeck ist Leiter Produktsteuerung Leben bei Helvetia. © Helvetia
  • Von Sabine Groth
  • 04.05.2020 um 11:14
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Fondspolicen sind eines der wenigen Vorsorgeinstrumente, die reale Renditen erzielen, meint Guntram Overbeck. Der Leiter Produktsteuerung Leben bei Helvetia erklärt, was gute Fondspolicen können müssen, und warum Garantiepolicen für die Altersvorsorge nicht geeignet sind.

Pfefferminzia: Wie können sich risikoscheue Anleger in Zeiten magerer oder gar negativer Zinsen eine auskömmliche private Altersvorsorge aufbauen?

Guntram Overbeck: Auskömmliche Renditen können in der jetzigen Phase nur mit Anlagen in Sachwerten wie Aktien erwirtschaftet werden. Jeder Investor muss bereit sein, auch in risikoreichere Anlagen zu investieren. Wobei das wirkliche statistische Risiko wiederum auch stark abhängig von der Anlagedauer ist. Ein guter Weg sind Fondspolicen, über die in Aktienfonds investiert werden kann. Diese können für risikoscheue Kunden zusätzliche sicherheitsorientierte Instrumente zum Einsatz in Krisenzeiten anbieten.

Geldmarktfonds haben sich in der Finanzkrise 2008/2009 aufgrund von Kursverlusten als nicht ausreichend tauglich dafür erwiesen. Helvetia bietet daher den Deckungsstock als weitere Anlagemöglichkeit an. Hierhin können die Kunden flexibel und relativ kurzfristig bei Kurseinbrüchen umschichten. Und noch wichtiger – sie können sofort einen Automatismus starten, der das gesicherte Geld schrittweise zurück in Sachwertanlagen fließen lässt. Denn man darf nach einer Sicherung nie vergessen, wieder in den Markt zu gehen.

Zwischenzeitliche Verluste lassen sich so aber nicht komplett vermeiden. Wie kann man Kunden die Angst vor Wertschwankungen ihres Anlageguthabens nehmen?

Das ist richtig, man wird auf Kurseinbrüche nie zu 100 Prozent im Vorfeld reagieren können, 10 oder 15 Prozent vorübergehenden Verlust muss man schon akzeptieren können. Die Fondspolice dient in der Regel aber nicht als eine kurz- oder mittelfristige Anlage, sondern als Altersvorsorge. Und Verluste kann man bei langen und insbesondere flexibel anpassbaren Laufzeiten auch aussitzen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass bislang der Höchststand an den Aktienmärkten nach sechs bis sieben Jahren immer wieder erreicht war. Oft hat die Börse schon nach einem Jahr erneut an Fahrt gewonnen.

Hybridmodelle mit Garantien sind deutlich gefragter als reine Fondspolicen. Geht es ohne Garantien in Deutschland nicht?

Solche Garantiepolicen verkaufen sich definitiv sehr gut. Man darf aber nicht verschweigen, wie sie verkauft werden. Hier kommt es teilweise zu Fehlberatungen. Denn es wird selten klar dargestellt, dass das Anlageziel nicht erreicht werden kann. Laut Paragraf 7c VVG ist aber jeder Berater verpflichtet, sowohl nach Anlageziel als auch nach Risikotoleranz zu beraten. Dabei ist das Anlageziel die Versorgung im Ruhestand. Doch Garantiepolicen schaffen vielleicht 2 bis 3 Prozent pro Jahr.

Wenn man das mit dem üblichen Beitrag des Kunden hochrechnet, kommt man in den meisten Fällen zu dem Schluss, dass dies für eine Altersvorsorge nicht reicht. Der Kunde kann während der Sparphase sehr ruhig schlafen, hat aber zum Rentenbeginn ein böses Erwachen. Einige Kunden wollen das sicherlich so, ihnen ist der Weg wichtiger als das Ziel. Andere wollen lieber relativ stressfrei ihr Ziel erreichen und akzeptieren auf dem Weg dahin mehr Schwankungen.

Wo liegen die Stärken von Fondspolicen als Instrument für die Altersvorsorge?

Die Hauptstärke der Fondspolicen ist, dass der Kunde flexibler als zum Beispiel bei Immobilien in Sachwerte investieren kann. Eine Miet-Immobilie lässt sich in schlechten Marktphasen nicht so einfach veräußern. Aktienfonds sind dagegen sehr liquide, breit gestreut, und man kann sie in der Fondspolice jederzeit kosten- und steuerfrei tauschen. Zudem bieten Aktien als Sachwert einen gewissen Inflationsschutz und die langfristigen Renditeerwartungen sind höher. Fondspolicen sind damit eines der wenigen Vorsorgeinstrumente, mit denen sich heute noch Erträge über der Inflation erzielen lassen.

Eignen sich Fondspolicen auch für Späteinsteiger in die Altersvorsorge?

Auch für jemanden, der nur noch zehn Jahre oder weniger bis zum Rentenbeginn hat, ist die Fondspolice ein attraktives Vorsorgeinstrument. Schließlich braucht man meist nicht das gesamte Kapital zum Renteneintritt. Ein Teil des Kapitals kann noch länger in der Police bleiben und Erträge erwirtschaften. Insbesondere wenn man statt der klassischen Rente einen Auszahlplan wählt, hat man wieder eine lange Anlagephase von 30 Jahren und mehr. Auch für Späteinsteiger ist es deshalb sinnvoll, nicht alles in sicheren Anlagen zu investieren, sondern Teile in Aktienanlagen zu lassen. Nach und nach vor der Entnahme kann das Kapital gesichert werden.

Dann muss die Fondspolice aber eine flexible Laufzeit aufweisen.

Laufzeittarife gehören ins Museum. Eine fixe Auszahlung zum 65. oder 67. Geburtstag ist antiquiert, zumindest bei Fondspolicen für die private Vorsorge ohne Förderung. Keiner weiß bei Abschluss, wann er tatsächlich in Rente geht, und wann er wie viel Geld braucht. Die wichtigste Basis für eine gute Fondspolice ist eine lebenslange Laufzeit. Der Tarif muss sich stets dem Kunden anpassen, nicht andersherum. Wenn der Kunde Geld braucht, muss er es entnehmen können, und wenn er es gerade nicht benötigt, muss es in der Police weiter arbeiten können. Die Verfügungsmöglichkeiten müssen so flexibel wie möglich sein.

Welche weiteren Merkmale zeichnen eine gute Fondspolice aus?

Ein wesentliches Merkmal sind flexible Sicherungsinstrumente, sie sind wichtiger und vor allem besser als starre Garantien. Wenn sich eine Krise an den Finanzmärkten abzeichnet, muss der Kunde die Möglichkeit haben, sein Guthaben vorübergehend sichern zu können. Zudem muss das Anlageangebot stimmen. Es müssen gute Fonds zur Auswahl stehen und ebenso gute Vermögensverwaltungen, falls der Kunde sein Depot nicht selber managen möchte.

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Sabine

Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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