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Asset Allokation in der Assekuranz „Spielt die Branche nicht mit, kann man Steuervorteile abschaffen“

Carsten Zielke, Zielke Research Consult
Carsten Zielke, Zielke Research Consult © George Gomoescu

Warum reagieren die deutschen Versicherer nur verzögert und verhalten auf die schwere Zinskrise? Versicherungsmarkt-Experte Carsten Zielke kritisiert die Versicherungswirtschaft und hat Ideen, wie man die Branche zum Umdenken bringt.

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Pfefferminzia.de: Es ist kein Ende der Niedrigzinsphase in Sicht. Wann geht der erste Lebensversicherer Pleite?

Carsten Zielke: So einfach ist ein Pleite-Prozess nicht. Zuerst wird es einen Eintrag geben, dass sich die Mindestzuführungsverordnung nicht mehr einhalten lässt. Dann kann es passieren, dass der Versicherer in „Manndeckung“ genommen wird, das heißt, es gibt eine Sonderprüfung und die Bafin stellt einen Aufseher bereit. Wenn dann alle Stricke reißen, wird der Missstand erklärt und die Garantien abgesenkt. Die Bafin kann den Kunden auch verbieten, die Verträge zu kündigen.

Wann kommt die Sicherungseinrichtung Protektor in Spiel?

Wenn die Leistungen nicht mehr erfüllt werden können, müssten die Verträge an Protektor übertragen werden. Aber das wird Protektor nicht leisten können, weil es zu wenig Kapital besitzt. Es gab bisher erst einen einzigen Fall – die Mannheimer Leben 2003 – und bereits jetzt musste Protektor nachkapitalisiert werden, weil sie viele 4-Prozent-Verträge im Bestand hat. Ich glaube nicht, dass Protektor eine tragfähige Lösung für die Krise ist, weil das Problem branchenweit besteht.

Der durchschnittliche Investitionsgrad der Lebensversicherer in Anleihen beträgt 88 Prozent. Wann erfolgt hier ein Umdenken?

Versicherer finden immer neue Argumente, warum sie nicht in Aktien investieren dürfen. Jahrelang hieß es, wir haben nicht genügend Risikokapital dafür. Das ist aber eine Frage der Definition. Wenn ich stille Reserven auf festverzinsliche Papiere herausrechne, dann kann ich auch kein Risikokapital aufbauen, wenn ich nicht in andere Asset-Klassen investiert bin. Jetzt heißt es, die Kurse sind schon so gut gelaufen, es sei zu spät. Irgendwie scheint die Branche mit dieser Asset-Klasse ein Problem zu haben.

Brauchen wir weitere gesetzliche Änderungen wie das LVRG, um die bestehenden Lebensversicherungen zu schützen?

Selbst die Politik erkennt inzwischen, dass es nicht sein kann, dass die Versicherer kein diversifiziertes Portfolio fahren können, wenn man dies doch von der Bevölkerung verlangt. Wenn die Branche nicht mitspielt, ist es legitim darüber nachzudenken, ob man die Steuervorteile der Lebensversicherungsindustrie nicht abschafft. Die Versicherungsindustrie hat die Expertise der Verwaltung der Aktivseite abgebaut. Für die Passivseite wurde aber massiv Geld ausgegeben, um Scheinrisikomodelle wie Solvency II zu entwickeln, die gar nicht aufzeigen, wie hoch das Risiko tatsächlich ist.

Deutschland ist am meisten betroffen?

Ja, weil Deutschland die Pensionsrichtlinie rigoros umgesetzt hat. Es gibt nur noch steuerliche Vorteile, wenn das Leibrentenrisiko abgesichert wird. Es werden also Verträge steuerlich nur noch bevorteilt, wenn sie bis zum Todesfall ausgeschrieben sind. Das hat dazu geführt, dass die Laufzeiten nach dem Jahr 2000 explodiert sind. Hatten wir vorher eine durchschnittliche Laufzeit von 15 Jahren, so sind das heute im Schnitt 25 Jahre mit Spitzenwerten bis zu 40 Jahren. Damit haben wir die längste Duration in der Welt bei Versicherungsverträgen. Und diese sind mit Garantien ausgestattet, weil die damaligen Modelle das hergegeben haben.

Das wirkt nun extrem ungünstig im aktuellen Zinsumfeld?

Es ist der helle Wahnsinn! Die Garantien gehen, wenn sie in einem Options-Pricing-Modell modelliert werden, bis zum Jahre 100 für die Neuversicherten. Und bei anhaltendem Niedrigzins tut sich eine Lücke auf, die immer größer wird, je länger der gegebene Garantiezeitraum ist.

Warum ist der Mechanismus der Zinszusatzreserve problematisch?

Das ist ein Konstrukt, das man sich ausgedacht hat, um den Versicherer sicherer zu machen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Es muss ein Sonderposten gebildet werden innerhalb der Deckungsrückstellung, der die Differenz zwischen den Garantien und den zehnjährigen Durchschnitt der Swap-Kurve abdeckt für die nächsten 15 Jahre. Das soll quasi sicherstellen, dass der Versicherer auch die Garantien dem Kunden auszahlt, der sie entsprechend auf seinem Papier stehen hat. Die Gefahr dabei: Um diese Rückstellungen zu bilden, brauche ich Erträge. Die müssen irgendwo herkommen. Und die kann ich nur den anderen Versicherungsnehmern wegnehmen. Damit schädige ich die Bestandskunden und mache das Produkt auch für die Neukunden unattraktiver.

Sind Makler auf ihre Beratungsaufgabe ausreichend qualifiziert?

Ich denke schon, dass die Makler sich befähigt fühlen, Aktieninvestments und Chancen und Risiken zu erklären. Sobald aber Optionen enthalten sind und die Komplexität zunimmt, fühlen sich viele Makler weniger wohl. Und Vertriebsvorstände erzählen, dass ihre gebunden Agenten nicht in der Lage sind, Aktieninvestments zu erklären. Und, dass sie auch nicht bereit sind, es zu lernen! Dabei haben Makler eine Riesenchance, sich als Altersvorsorgespezialist hervorzutun oder als Vermögensberater, weil sich die Banken hier zurückziehen und die jüngeren internetaffinen Kunden nicht mehr erreichen.
Standard Life: Stellungnahme zu aktuellen Brexit-Plänen
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In dieser Stellungnahme erläutert Christian Nuschele, Leiter Maklervertrieb für Deutschland, wichtige Aspekte zu den Themen Bestandsübertragung nach Irland, zu den vertraglichen Rechten der Kunden sowie zum Insolvenzschutz der Standard Life.

Das Ziel ist Klarheit – auch, um Ihnen für die Gespräche mit Ihren Kunden zu helfen.

Hier geht es zu der ausführlichen Stellungnahme.

Schutz der Kundengelder durch ein zuverlässiges Sicherheitsnetz
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Das seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld verändert nachhaltig die private Altersvorsorge. Lohnen sich die als verstaubt geltenden Versicherungsprodukte überhaupt noch? Und wie können Sparer ihre Anlageziele optimal erreichen und ihr Langlebigkeitsrisiko absichern? Das erläutert Stephan Hoppe, Direktor Investmentstrategie bei Standard Life, im Interview.

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