Dennis Wittkamp ist Fachkoordinator Schaden- und Unfallversicherungen bei der Ratingagentur Assekurata. © Assekurata
  • Von Juliana Demski
  • 09.06.2020 um 17:41
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2019 hat die Schaden- und Unfallversicherung ihren positiven Trend fortsetzen können, meldet das Ratinghaus Assekurata. Grund hierfür sei die vergleichsweise geringe Elementarschadenbelastung. Und obwohl die Corona-Pandemie den Höhenflug der Branche vorerst beenden könnte, gibt es doch einen klaren Gewinner der Krise: die Cyberversicherung – ganz im Gegensatz zur D&O-Versicherung.

Das Geschäftsjahr 2019 lief wieder einmal gut für die Schaden- und Unfallversicherer. Der versicherungstechnische Gewinn lag laut dem aktuellen Assekurata Marktausblick bei 4,7 Milliarden Euro – und ist damit im Vergleich zum Vorjahr (4,1 Milliarden Euro) erneut gestiegen. Auch beitragsseitig konnte die Branche ihren Wachstumskurs fortsetzen und die Einnahmen um 3,2 Prozent auf mittlerweile 72,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 70,7 Milliarden Euro) steigern.

Damit konnten die Gesellschaften auch die nur moderat auf 53,4 Milliarden Euro gestiegenen Versicherungsleistungen (Vorjahr: 52,5 Milliarden Euro) kompensieren. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote sank von 94,1 Prozent auf rund 93 Prozent. Im Vergleich zum Mehrjahresdurchschnitt zwischen 2010 und 2019 (96,3 Prozent) stellt das laut Assekurata einen „sehr guten Wert“ dar.

Schadenseitig konnten neben neben der Hausratversicherung insbesondere die Haftpflichtversicherung und die Unfallversicherung punkten. Zum Wachstum der Branche habe neben der Rechtsschutz- und der Haftpflichtversicherung insbesondere die Kraftfahrtversicherung beigetragen, berichten die Marktbeobachter, die zugleich auch die Risiken in den Blick nehmen.

„Einige Versicherer operieren allerdings bei dem derzeitigen Beitragsniveau bereits nahe oder in der Verlustzone. Der Raum für marktweite Beitragssenkungen ist daher schon unter normalen Umständen äußerst gering“, gibt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden- und Unfallversicherung bei Assekurata, zu bedenken.

Aber: „Durch die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit, nicht zuletzt infolge der Corona-Pandemie, dürfte die Mehrzahl der Versicherer jedoch ohnehin eine ertragsorientierte Zeichnungspolitik statt eines Unterbietungswettbewerbs anstreben“, so Wittkamp.

Die Auswirkungen von Corona seien branchenweit aber differenziert zu betrachten:

Auf der einen Seite dürfte das Neugeschäft in Zeiten der strikten Kontaktbeschränkungen über alle Zweige deutlich eingebrochen sein. „Die wenigsten Leute werden sich in diesen Zeiten Gedanken über den Versicherungsschutz gemacht haben“, schätzt Wittkamp. Einzig in der Cyberversicherung sei das Neugeschäft in dieser Zeit spürbar angezogen. „Hier hat die massive Ausweitung der mobilen Arbeit dafür gesorgt, dass sich viele Unternehmen stärker mit ihren IT-Risiken auseinandergesetzt und sich zeitnah einen Versicherungsschutz zugelegt haben.“

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Mit Blick auf die Schadensituation sind neben der Betriebsschließungs- und der Kreditversicherung besonders die Rechtsschutz- und die Veranstaltungsausfallversicherung von den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen spürbar betroffen. „Neben dem Bereich Arbeitsrecht wird es gerade auch auf dem Gebiet der Betriebsschließung zu einem Anstieg der Rechtsstreitigkeiten kommen“, vermutet Wittkamp. Absehbar seien darüber hinaus auch deutlich zunehmende Schäden im Bereich der D&O-Versicherung als Folge der vielen krisenbedingten Insolvenzen.

Positive Auswirkungen auf die Schadenbelastung erwartet er hingegen aufgrund der teilweise stark rückläufigen Zahlen von Verkehrs-, Sport- und Freizeitunfällen. Hierdurch profitierten vor allem Unfall-, Hausrat-, Privathaftpflicht- oder auch Kfz-Versicherungen. Aus diesem Grund werden der Sparten- und noch viel mehr der Kundenmix entscheidend dafür sein, wie die einzelnen Unternehmen sich 2020 infolge der Corona-Maßnahmen behaupten. Assekurata geht davon aus, dass Gesellschaften mit Schwerpunkten in Gewerbe und Industrie schwerer betroffen sind als Privatkundenversicherer.

Und trotzdem:

Die unsichereren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie erschweren laut Assekurata einen „verlässlichen Branchenausblick auf das Geschäftsjahr 2020“. Denn der weitere Geschäftsverlauf werde maßgeblich davon abhängen, in welcher Form und wie schnell sich die gesamtwirtschaftliche Situation wieder normalisiere.

„Auch unter der Annahme, dass bereits im dritten Quartal eine massive wirtschaftliche Erholung einsetzt, werden die wirtschaftlichen Spuren des Lockdowns am Jahresende deutlich zu erkennen sein“, prognostiziert Wittkamp. „Selbst in diesem Falle rechnen wir nur mit einem äußerst geringen marktweiten Beitragswachstum. Realistischer erscheinen Szenarien, die am Ende auf kein beziehungsweise ein negatives Wachstum hinauslaufen.“

Wirklich gravierende Folgen erwartet der Experte trotzdem nicht:  „Die Zeiten neuer Rekordergebnisse sind zwar vorerst vorbei, aufgrund der positiven Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf Schäden und Provisionszahlungen rechnen wir allerdings nicht damit, dass ein großer Teil der Versicherer in die Verlustzone rutscht“, erklärt Wittkamp.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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