Teenager essen Burger: Junge Menschen hierzulande haben Nachholbedarf in Sachen gesunde Ernährung. © picture-alliance / Wolfram Steinberg | Wolfram Steinberg
  • Von Juliana Demski
  • 16.06.2020 um 17:52
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 01:40 Min

In ganz Deutschland verfügt nur rund jeder Zweite über eine gute Ernährungskompetenz – Männer seltener als Frauen. Besonders problematisch sieht es bei den Jüngeren aus: Hier haben sogar zwei Drittel keine Ahnung von gesunder Ernährung. Das hat der AOK-Bundesverband mit einer Studie herausgefunden. Dieser fordert, dass das Thema Ernährung fest im Bildungssystem verankert wird.

Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger (rund 54 Prozent) verfügt über eine problematische oder gar inadäquate Ernährungskompetenz, wie eine AOK-Studie ergeben hat. Frauen (53 Prozent) haben demnach zumindest häufiger Ahnung von gesunder Ernährung als Männer (38 Prozent). Besonders schlecht steht es um die jüngeren Generationen.

In der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren weisen lediglich 37,1 Prozent der Befragten eine ausreichende Kompetenz vor. „Nur jeder dritte junge Erwachsene weiß, wie gesunde Ernährung funktioniert. Das ist alarmierend“, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands. Unterschiede gibt es je nach Bildungsgrad: Nur 37,2 Prozent der Menschen mit einem Haupt- oder Volksschulabschluss haben Ahnung von gesundem Essen, bei Menschen mit Abitur liegt der Anteil immerhin bei 56,4 Prozent.

„Wenn wir hier einen Kurswechsel wollen, müssen wir das Thema gesunde Ernährung fest in unserem Bildungssystem und den Curricula verankern“, so Litsch. „Die Vermittlung von Ernährungskompetenz darf nicht mit dem Schulgong enden, wichtig wäre sie darüber hinaus in der Jugendarbeit und Erwachsenenbildung.“

Denn: Auch junge Eltern weisen laut Studie häufig große Wissenslücken auf. Dazu sagt Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin: „Generell sehe ich bei jungen Eltern einen zunehmenden Rückgang der Fähigkeiten zur selbstständigen Zubereitung von Mahlzeiten aus Grundnahrungsmitteln.“ Das sei vor allem problematisch, weil Fertigprodukte regelmäßig zu viele Kalorien, zu viel Zucker, gesättigtes Fett und Salz enthalten. „So kommt es insgesamt zu einer schlechteren Ernährungsqualität in vielen Familien mit Kindern, gerade auch wenn diese nicht einfach zwischen schlechteren und besseren Fertigprodukten unterscheiden können“, erklärt der Experte.

Dem stimmt auch der AOK-Verband zu: Da 80 Prozent der Fertiglebensmittel in deutschen Supermärkten zugesetzten Zucker enthielten, fehle es den Verbrauchern schon beim Einkauf an gesunden Optionen. Der Verband setzt sich schon länger dafür ein, den Zuckerkonsum in Deutschland zu senken. „Dafür brauchen wir vor allem verbindliche Reduktionsziele mit der Industrie und darüber hinaus ein Verbot von Marketing für stark zuckerhaltige Kinderlebensmittel“, so Kai Kolpatzik, Studienleiter und Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband.

Die schwachen Ergebnisse für den Teilbereich der Ernährungskompetenz decken sich auch mit Auswertungen zur allgemeinen Gesundheitskompetenz:

Auch hier war laut AOK zuletzt der Wert von über 50 Prozent der Menschen „nicht zufriedenstellend“. Dazu Kolpatzik: „Das kommt wenig überraschend angesichts von bundesweit 6,2 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Folglich fehlen mehr als zwölf Prozent unserer erwerbsfähigen Bevölkerung ganz grundlegende Voraussetzungen, um Gesundheitsinformationen verstehen zu können.“

autorAutorin
Juliana

Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!