Mehr als 50 bis 100 Euro pro Monat dürften die wenigsten in jungen Jahren für den noch sehr weit entfernten Ruhestand aufbringen können oder wollen. © Pixabay
  • Von Sabine Groth
  • 14.09.2020 um 11:57
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Bei der privaten Altersvorsorge müssen Sparer auch die Inflation mit einbeziehen. Über eine Beitragsdynamik kann der stete Wertverlust des Kapitals abgemildert werden. Aber die muss auch hoch genug sein.

Zeit und Zinssatz sind die entscheidenden Faktoren beim Vermögensaufbau für die Altersvorsorge. Es gilt zum einen, eine rentierliche Anlageform zu nutzen. Im heutigen Zinsumfeld kommen dafür eigentlich nur Sachwerte infrage, beispielsweise Aktienfonds im Rahmen von Fondspolicen. Zum anderen gilt es, möglichst früh zu beginnen. So kann die erforderliche Beitragssumme über einen langen Zeitraum gestreckt und möglichst lange vom Zinseszinseffekt profitiert werden.

Potenzial ist bei der jungen Generation durchaus vorhanden. Laut einer Studie im Auftrag des Versorgungswerks Metall Rente aus dem Jahr 2019 spart nur rund jeder dritte 17- bis 27-Jährige regelmäßig Geld fürs Alter. Gerade der frühe Vogel hat jedoch selten große finanzielle Spielräume. Mehr als 50 bis 100 Euro pro Monat dürften die wenigsten in jungen Jahren für den noch sehr weit entfernten Ruhestand aufbringen können oder wollen. Später, wenn das Gehalt steigt, würden sie vielleicht auch mehr investieren.

Damit das innerhalb einer Fondspolice möglich ist, bieten Versicherer die Beitragsdynamik in ihren Tarifen an, bei der die Beiträge Jahr für Jahr um einen festen Prozentsatz steigen. Über die regelmäßige Erhöhung lässt sich ebenfalls das Problem der Inflation in der Ansparphase lösen. Jahr für Jahr verliert Kapital an Kaufkraft, das gilt auch für den angestrebten Kapitalbedarf des Policeninhabers zum Renteneintritt.

Wer auf Basis heutiger Kaufkraft 1.000 Euro zusätzlich aus einer privaten Vorsorge für den Ruhestand benötigt, bräuchte in 30 Jahren, wenn er tatsächlich in Rente geht, bei einer unterstellten Inflation von 2 Prozent rund 1.800 Euro – und damit ein deutlich höheres Vermögen, das er in die Verrentung schicken kann.

5 Prozent Dynamik müssen es schon sein

Um dieses Anlageziel zu erreichen, bietet sich die Dynamisierung der Beiträge an. Allerdings reicht eine jährliche Beitragserhöhung in Höhe der Teuerung nicht, um den inflationsbedingten Anstieg des benötigten Vermögens auszugleichen. Die Dynamik muss deutlich höher ausfallen als der Inflationssatz. Dabei gilt: Je kürzer die Laufzeit, desto höher die erforderliche Dynamik. Nach Berechnungen von Helvetia wird bei Fondspolicen über eine Laufzeit von 40 Jahren eine 2-prozentige Inflation in etwa durch eine 5-prozentige Beitragsdynamik pro Jahr kompensiert. Bei 20 Jahren Laufzeit sind grob gerechnet 8 Prozent pro Jahr nötig. Die Dynamik auszusetzen würde bedeuten, dass der Inflationsausgleich nicht stattfindet.

Damit die Kunden bei der Stange bleiben, sollte die Dynamik aber auch nicht zu hoch ausfallen. Denn schließlich unterliegt sie den gleichen Gesetzen wie der Zinseszinseffekt beim Vermögensaufbau. Anfangs scheint sie noch etwas träge, aber dann wird die Dynamik richtig dynamisch. Wer mit 100 Euro Monatsbeitrag startet, zahlt bei 5-prozentiger Erhöhung nach 15 Jahren etwa doppelt so viel, die 300-Euro-Marke ist dann schon nach weiteren acht Jahren überschritten.

Um diese exponenzielle Steigerung des Beitrages abzufedern, sollte der Sparer mit einem höheren Beitrag starten. So kann er die Dynamik auch mal aussetzen, ohne dass sie gleich ganz aufgekündigt werden muss. So können vorübergehende finanzielle Engpässe des Kunden abgefedert werden. Die Angebote der Versicherer werden diesbezüglich – wie auch in vielen anderen Bereichen – zunehmend flexibler.

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Sabine

Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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