Der deutsche Anleger ist ein arg widersprüchliches Wesen. So halten nur 11 Prozent das Sparbuch derzeit von der Rendite her für spannend. Trotzdem investieren aber 73 Prozent in diese Anlageform. Ein ganz ähnliches Bild gibt es beim Tagesgeld. Nur 21 Prozent finden es attraktiv, trotzdem schieben 42 Prozent ihr Geld aufs Tagesgeldkonto. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment unter 500 Finanzentscheidern in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren.

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass jeder Vierte Anleger in den kommenden sechs Monaten steigende Zinsen erwartet (das sind 11 Prozentpunkte mehr als im Quartal zuvor). Schließlich hat die US-Zentralbank Fed in den USA gerade die Zinsen erhöht. Könnte also auch hier in Europa passieren, so die Logik.

Von einem gleichbleibenden Zinsniveau gehen derzeit 58 Prozent aus im Vergleich zu 71 Prozent bei der letzten Erhebung. Mit fallenden Zinsen rechnen 12 Prozent (letztes Quartal: 14 Prozent).

Die große Mehrheit rechnet mit steigender Inflation

„Anleger sollten sich von dem Zinsanstieg in den USA nicht täuschen lassen. Denn in Deutschland bleiben die Zinsen erstmal niedrig trotz gestiegener Inflationsrate. Ersparnisse auf klassischen Anlageformen wie Sparbuch oder Tagesgeld verlieren dadurch unterm Strich an Wert“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment. Eine Inflation von 2 Prozent führe über einen Zeitraum von zehn Jahren zu einem Verlust von 18 Prozent, rechnet er vor.

Und gerade diese Inflationsrate halten die meisten Befragten, nämlich 81 Prozent, derzeit für wahrscheinlich. Jeder Zwölfte (8 Prozent) rechnet sogar mit stark steigenden Preisen. Ein gleichbleibendes Preisniveau erwarten 17 Prozent und fallende Preise lediglich 2 Prozent.