Analyse der Verbraucherzentrale Bremen Der vergessene Haken beim Riester-Fondssparplan

Junge Leute informieren sich auf der Messe Beruf & Bildung in Hannover.
Junge Leute informieren sich auf der Messe Beruf & Bildung in Hannover. © dpa/picture alliance

Lohnt sich die Riester-Rente noch für junge Leute und Berufseinsteiger? Dieser Frage geht ein aktueller Medienbericht nach. Darin beugt sich die Verbraucherzentrale Bremen über einen Riester-Vertrag, rechnet ihn durch – und kommt zu einem Ergebnis, das nicht die ganze Wahrheit verrät.

| , aktualisiert am 04.01.2017 17:38  Drucken
Der Musterfall, den ein großer deutscher Versicherer erstellt hat, und der anschließend von der Verbraucherzentrale Bremen überprüft wurde, enthält folgende Eckdaten: Abschlussalter 26 Jahre, Single, Monatsverdienst 2.500 Euro brutto, Renteneintritt 2055.

Um die staatliche Förderung zu erhalten, muss die Eckperson jeden Monat 87,17 Euro in die Riester-Rentenversicherung einzahlen. Das entspricht vier Prozent des Bruttoeinkommens abzüglich der Riester-Zulage von 154 Euro, auf zwölf Monate verteilt. Der Garantiezins beträgt 1,25 Prozent.



Die Beispielperson zahlt dem Bericht zufolge bis zur Rente im Jahr 2055 insgesamt 40.796 Euro ein, bekommt 6006 Euro Zulagen vom Staat und erhält eine Steuerersparnis von 7450 Euro, „weil der Muster-Versicherte seine Beiträge steuermindernd absetzen kann. Es werden also 32 Prozent der eingezahlten Summe zusätzlich gefördert“, schreiben die Redakteure von Focus Online. „Schlussendlich bekommt die Eckperson bei Renteneintritt eine garantierte monatliche Rente von 136,77 Euro.“ Diese könne noch steigen, wenn die Versicherung höhere Überschüsse erzielt als den Garantiezins. Genau das nimmt auch der Versicherer an und prognostiziert eine deutlich höhere monatliche Rente von 246 Euro bei einem Gesamtkapital von knapp 80.000 Euro.

„Das mögliche Kapital zum Rentenbeginn wird mit 79.960,79 Euro angegeben. Das entspricht einer Rendite von 3,18 Prozent“, kommentiert Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen das Ergebnis des Musterfalls – zu wenig findet der Verbraucherschützer. Sein Fazit: Die gesamten Kosten der Police seien im Verhältnis zu der geringen Rendite- und Rentenerwartung zu hoch.

Mai empfiehlt jungen Sparern daher einen Riester-Fondssparplan anstelle einer Riester-Rentenversicherung. Die Fonds erzielen laut Mai Renditen von bis zu fünf Prozent – Versicherungen hingegen nur maximal drei Prozent.

Riester-Fondssparpläne am Ende mit hohen Kosten belastet

Auch die Initiative „Pro Riester“ bestätigt, dass sich bei Riester-Fonds höhere Renditen erwarten lassen als bei einer Riester-Rentenversicherung. Zudem habe ein Fondsparplan den Vorteil, dass niedrigere Kosten in der Ansparphase bis zum Rentenbeginn anfallen. Gleichwohl weisen die Vertreter der Initiative darauf hin, dass auch Kapitalanlage-Gesellschaften, obwohl sie keine Versicherer seien, ebenfalls eine lebenslange Zahlung der Riester-Rente garantieren müssten. Dadurch entstünden am Ende des Sparplans hohe Kosten, heißt es. So würden etwa 25 bis 40 Prozent des Kapitals zu Rentenbeginn als Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Rentenversicherung abgezweigt, bevor die erste Rente aus dem Riester-Fondssparplan fließen könne.

Ein weiterer Nachteil beim Riester-Fondssparplan sei, dass die genaue Höhe der Kosten für die Versicherung heute nicht bekannt sei. „Riester-Sparer können die Höhe ihrer späteren Rente nicht sicher kalkulieren. Versicherer hingegen schreiben garantierte Mindestrenten in ihre Policen“, schlussfolgern die Experten von „Pro Riester“.
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