Stau auf der A7: In den Augen der Versicherer liegt die Zukunft der Kfz-Branche in Telematiktarifen und dem Autonomen Fahren. © picture alliance/dpa | Axel Heimken
  • Von Juliana Demski
  • 15.09.2020 um 12:57
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 01:30 Min

Der Kfz-Versicherungsmarkt ist wie kaum ein anderer getrieben von Innovationen und Digitalisierung – das macht sich auch an den Produkten bemerkbar. Eine aktuelle Umfrage unter Versicherern zeigt: Die Zukunft der Branche liegt in Telematiktarifen und Policen für das Autonome Fahren. Zwei Anbieter schicken sich bereits an, den Markt an sich zu reißen.

Gemeinsam mit dem Rückversicherer SCOR hat das aktuarielle Beratungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) Kfz-Versicherer aus dem D-A-CH-Raum (also aus Deutschland, Österreich und der Schweiz) nach ihren Einschätzungen zu zukünftigen Branchentrends gefragt. Das Ergebnis: Telematik und Autonomes Fahren lagen als die beiden größten „Megatrends“ gleichauf (jeweils 35 Prozent).

Außerdem nannten die Umfrageteilnehmer die Themenfelder Car-Sharing, Elektromobilität und Digitalisierung (jeweils 20 Prozent) sowie die Bereiche Tarifierung und Schaden (jeweils 13 Prozent) – hier stehen laut den Studienautoren aber vor allem die zunehmende Automatisierung in der Schadenauswertung sowie die wachsende Rolle der Versicherungsmathematik im Zentrum.

„Das Thema Telematik ist seit Jahren im Markt präsent und wurde vielfach noch skeptisch gesehen“, kommentiert MSK-Geschäftsführer Onnen Siems die Umfrageergebnisse. Das gelte auch für „reine App-Lösungen sowie oberflächliches und „intransparentes Telematikscoring“ sowie „datenschutzrechtliche Vorbehalte“, so der Experte.

Trotz dieser Einwände erführen Telematiklösungen im Management aktuell eine hohe Aufmerksamkeit, heißt es in der MSK-Studie. Mittlerweile bestehen demnach über 500.000 Telematikpolicen im Markt – davon über 90 Prozent bei den beiden Marktführern Huk und Allianz. Damit wachse der Marktdruck, aber auch die Gefahr der Negativselektion, befindet MSK-Chef Siems.

„Die Telematiktechnik hat einen hohen Reifegrad zu geringen Stückkosten erreicht. Auch stehen vereinfachte Vertriebsoptionen durch weniger Tarifmerkmale zur Verfügung – bei zugleich höherer Risikodifferenzierung“, erläutert Siems. Damit könne Telematik zu einer Plattform für viele Zusatzdienste ausgebaut werden – wie beispielsweise zur Parkplatzsuche, für Bonusprogramme oder situative Versicherungsofferten.

Corona: Mehr Nutzen als Schaden

Die Corona-Krise habe der Telematikbranche indes eher geholfen als geschadet: „Covid-19 bescherte der Republik einen ‚Crashkurs in digitalen Anwendungen‘ sowie vermehrte Investitionen in die IT“, so Siems weiter. „Der Trend der Digitalisierung, der auch vor der Pandemie bestand, macht einen Sprung – mit Auswirkungen auf die Branche.“ So seien Versicherte eher bereit, sich mit digitalen Lösungen zu befassen – und damit wiederum komme nun eine Entwicklung in Gang, die nicht bei dieser Technologie halt mache.

„Das Fernziel des autonomen Fahrens rückt näher“, ist der Experte überzeugt – und für die Versicherer ist das durchaus problematisch. Denn: „Intelligente Fahrzeuge, die wenig Unfallaufkommen verursachen, stellen die Versicherer vor eine grundlegende Herausforderung.“

Der Appell des MSK-Chefs an die Branche lautet entsprechend: „Versicherer müssen ausgetretene Pfade verlassen und mehr Innovation wagen.“

autorAutorin
Juliana

Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!