Bis zu 22 Prozent der in diesem Jahr geborenen Mädchen haben die Chance, 100 Jahre alt zu werden. Bei den Jungs sind es immerhin noch 16 Prozent. Das zeigt eine im Juni veröffentlichte Modellrechnung für die Kohortensterbetafel des Statistischen Bundesamts. Der demografische Wandel hierzulande schreitet damit weiter fort. Im Jahr 2014 waren bereits etwa 4,5 Millionen Deutsche mindestens 80 Jahre alt. Bis zum Jahr 2050 wird sich diese Zahl auf rund 9,9 Millionen mehr als verdoppeln.

Ältere Menschen bleiben länger aktiv

„Für die Versicherungsbranche eröffnet die demografische Entwicklung viele Chancen, da die Notwendigkeit für eine eigene Vorsorge zunimmt“, stellt Alexander Kling, Partner beim Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa Ulm) fest. „Die Gesellschaft wird sich sehr verändern. Die aktiven Jahre der Älteren werden sich verlängern und viele werden stärker im Berufsleben stehen als jetzt. Die Übergänge von Erwerbszeit in den Ruhestand werden flexibler“, erwartet der Versicherungsmathematiker.

Doch wo es Chancen für eine Gesellschaft gibt, da lauern naturgemäß auch Risiken. Zum einen stehen die Sozialsysteme vor riesigen Herausforderungen – so werden auf immer mehr Rentner immer weniger Beitragszahler kommen. Die gesetzliche Rente wird tendenziell also sinken müssen.

Zum anderen liegt in der Langlebigkeit die Gefahr, dass das angesparte Vermögen des Einzelnen nicht bis zum Lebensende reichen könnte. Umfragen zeigen immer wieder, dass die Menschen ihre eigene Lebenserwartung eher unterschätzen – und zwar laut Gesamtverband der Deutschen Versicherung um etwa sieben Jahre.  

Ein weiteres Problem: Durch das anhaltende Nullzinsumfeld bringen viele klassische Sparformen kaum bis keine Renditen mehr. Eine anziehende Inflation verstärkt das Problem noch. Und ein Ende dieses Dilemmas ist nicht in Sicht: Im Juni teilte die Europäische Zentralbank mit, an ihrer Nullzinspolitik festhalten zu wollen.