„Es geht eben nicht um Prämien, es geht um Leistungen“

Katharina Heder.
Katharina Heder.

Ex-Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen schrieb jüngst auf Spiegel Online über die „Armutsfalle private Krankenversicherung“. Mit seiner Argumentation hat er zwar zum Teil Recht, verkennt aber gleichzeitig wichtige Punkte, meint Maklerin und Social-Media-Expertin Katharina Heder in ihrem Kommentar.

| , aktualisiert am 11.11.2014 15:53  Drucken

Hermann-Josef Tenhagen hat für Spiegel Online einen Beitrag geschrieben, der zum Nachdenken anregt. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie man an einen neuen Vertrag für eine private Krankenversicherung gelangt. Er arbeitet sich an einem Thema ab, welches er versucht in seinem Schluss-Satz zusammenzufassen:

„Manchmal fragt man sich, warum Privatversicherte nicht schon aus Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz schwer krank werden.“

Der geneigte Vermittler ahnt schon an diesem Punkt, dass es sich um einen weiteren Beitrag aus der Rubrik „In wenig Wörtern ein möglichst meinungsgebendes Bild zeichnen“ handelt. Doch der Reihe nach.

Grundsätzlich ist die Aussage, dass eine private Krankenversicherung arm machen kann, richtig. Es gibt genügend Geschichten über langjährig Versicherte, die sich ihren Beitrag im Alter nicht mehr leisten können. Tenhagen zählt an dieser Stelle drei Lösungen auf. Dabei verkennt er aber die Gründe für diese Situation.

Er führt die Werbung von günstigen Versicherungstarifen als Anlass für einen Wechsel in die PKV an. Er erwähnt jedoch zwei Aspekte nicht: Einerseits die Neuordnung der PKV-Angebote, die jüngst beschlossen wurde, und andererseits, dass Kunden mit jeder Beitragsanpassung ein Wechselangebot erhalten.

Der Versicherte hat selbst die Verantwortung

Das tatsächliche Risiko ist eine Absicherung, die man nicht anpasst. Im Unterschied zur Bundesregierung, die sich um den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung kümmert, übernimmt der Versicherte hier selbst die Verantwortung für sein Handeln. Wer diese Verantwortung aufgrund welcher Umstände auch immer nicht wahrnimmt und seinen Beratungsbedarf nicht einfordert, wird sich kaum beschweren dürfen, wenn neue Leistungen in alten Tarifen nicht berücksichtigt werden oder es sich um einen geschlossenen Tarif mit entsprechendem finanziellen Risiko handelt.

Insofern ja, es gibt Menschen, die in geschlossenen Tarifen gefangen sind und die es erst dann, wenn sie ihren Schutz benötigen, feststellen, dass Vieles nicht erstattet wird. Ein Wechsel in andere Tarifmöglichkeiten ist dann meistens nur durch Abstriche in Leistungsfragen möglich und Versicherer sind nicht besonders kooperativ dabei.

Nicht der Standard

Diesen Fall jedoch zum Standard der privaten Krankenversicherung zu erklären, wäre in etwa so zielführend wie von einem Ferrari als standardisiertem Auto zu sprechen. Ein Fiat Punto ist eben kein Rennwagen – und man sollte diesen auch nicht zu einem solchen stilisieren.

Man kann darüber streiten, ob Produktverkäufer in den vergangenen Jahrzehnten dies nicht gerade doch getan haben. Richtig ist, dass Werbung für Versicherungstarife zu vergünstigten Konditionen Kunden irritiert. Hieraus können im Einzelfall Missverständnisse entstehen, die es auszuräumen gibt. Für 59 Euro, wie Herr Tenhagen anführt, kann niemand einen Krankenversicherungsschutz erwarten.

Wer das tut – und damit schließt sich gewissermaßen der Kreis –, muss anerkennen, dass er seine eigene Verantwortung in Sachen Krankenversicherung noch nicht verstanden hat. Es ist also Aufgabe des Versicherungsvermittlers als Berater zu agieren und auf all diese Missstände hinzuweisen: Es geht eben nicht um Prämien, lieber Herr Tenhagen. Es geht um Leistungen – und solange dieses Umdenken seitens der Medien nicht befeuert wird, werden wir noch lange von dem Armutsrisiko der PKV hören.

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