„Die BU ist zum Luxusprodukt für wenige geworden“

Rolf Schünemann, Vertriebsvorstand der LV 1871, sprach mit Pfefferminzia über die neuen Produkte „Expertenpolice“ und „Golden IV“ sowie gute Beratung – und dass diese auch etwas kosten darf.

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Pfefferminzia: Sie waren fleißig und haben in diesem Jahr bereits einige neue Produkte auf den Markt gebracht. Eine ist die Invaliditätsversicherung „Golden IV“.

Rolf Schünemann: Richtig, weil wir dafür einen großen Bedarf sehen. Die BU ist zum Luxusprodukt für wenige geworden. Was passiert denn gerade in der Berufsunfähigkeitsversicherung? Versicherer führen immer mehr Berufsgruppen ein, dadurch können sich die meisten Deutschen eine BU gar nicht mehr leisten. Wenn ein Handwerker zwischen 150 und 200 Euro für eine in der Höhe bedarfsgerechte BU zahlen soll, sind das etwa 10 Prozent seines Nettoeinkommens.

Oder nehmen Sie die größte Berufsgruppe in Deutschland: die Berufskraftfahrer. Es gibt viele Berufe mit über 500.000 Beschäftigten bundesweit, die bei der Absicherung ihrer Arbeitskraft sehr schnell an ihre Budgetgrenzen stoßen. Hier brauchen wir Alternativen, die bezahlbar sind und eine adäquate Absicherung bieten. Wir haben im Mai daher unsere Golden IV, eine funktionelle Invaliditätsversicherung, auf den Markt gebracht.

Pfefferminzia: Wie sieht das Produkt im Detail aus?

Schünemann: Die Golden IV sichert die Kunden gegen die finanziellen Folgen ab, die ihnen bei schwerer Krankheit, Verlust von Grundfähigkeiten, Invalidität durch Unfall und bei Pflegebedürftigkeit entstehen – der Beruf spielt dabei keine Rolle. Diese Deckungsbausteine zur Arbeitskraftabsicherung liegen preislich bei etwa einem Viertel einer BU für die eben beschriebenen Berufsgruppen.

Pfefferminzia: Auch im Altersvorsorgebereich waren Sie aktiv. Hier haben Sie die „Expertenpolice“ gestartet. Wie ist die Idee dafür entstanden?

Schünemann: Bei der Entwicklung der Expertenpolice haben wir uns den Bedarf des Kunden nochmals stark vergegenwärtigt. Was will er von einer Fondspolice? Natürlich die Garantie, dass sein Geld bestmöglich angelegt wird. Dem haben wir Rechnung getragen: Nach einem durch uns aufgestellten Regelwerk sichern wir Kunden und Vermittlern zu, dass über die gesamte Laufzeit immer die besten vermögensverwaltenden Fonds in der Police sind. Kunde und Vermittler müssen sich um die Kapitalanlage also keine Sorgen mehr machen. Unsere Kapitalanlageexperten wählen bis zu fünf vermögensverwaltende Investmentfonds aus, die einen intensiven Auswahlprozess durchlaufen und aufeinander abgestimmt sind. Maßstab für die Auswahl sind verschiedene qualitative und quantitative Kriterien wie Wertentwicklung und Volatilität über verschiedene Zeiträume.

Die fünf Fonds sind dabei gestreut über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen. Wir sind von einer dynamischen Marktentwicklung der fondsgebundenen Rentenversicherung überzeugt – allerdings nur dann, wenn wir ein leistungsstarkes, transparentes und barrierefreies Produkt entwickeln. Ich finde, das ist uns hier gelungen. Abgerundet wird dieses Angebot durch biometrische Bausteine wie unsere vier Auszahlungsoptionen.

Pfefferminzia: Welche?

Schünemann: Die Pflegeoption zum Beispiel. Hierbei verdoppeln wir die Rente im Pflegefall. Das gleiche passiert bei der eXtra-Rente, wenn die Lebenserwartung des Kunden zu Rentenbeginn wegen einer Krankheit verkürzt ist.

Pfefferminzia: Da Sie den Fokus gerade recht stark auf Fondspolicen legen – glauben Sie, die klassische Rentenversicherung hat ausgedient?

Schünemann: Nein. Wir glauben an die private Rentenversicherung. Für viele Kunden ist sie meiner Ansicht nach sogar nahezu alternativlos.

Pfefferminzia: Auch, wenn es mit dem Garantiezins bald weiter bergab geht?

Schünemann: Ich finde nicht, dass eine Absenkung des Rechnungszinses notwendig ist. Jeder Versicherer mit einer diversifizierten Kapitalanlage schafft es, 1,75 Prozent zu erwirtschaften. Die Absenkung würde keine große Entlastung bringen. Wenn überhaupt, dann sehe ich die Absenkung auch erst für Januar 2016.

Pfefferminzia: Je niedriger die Rendite, desto mehr fallen hohe Kosten ins Gewicht.

Schünemann: Ja, darauf haben wir und die Branche bereits reagiert und die Verwaltungskosten auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Die Verwaltungskosten liegen im Schnitt bei 2,30 Prozent.

Pfefferminzia: Trotzdem wird über einen Provisionsdeckel diskutiert.

Schünemann: Finger weg vom Provisionsdeckel! Ganzheitliche bedarfsgerechte Beratung sowie lebenslange Begleitung der Kundenbeziehung benötigen ausreichend finanzielle Spielräume. Die Branche setzt mit allem, was sie hat, auf Qualitätsverbesserung. Das geht nicht durch Einschnitte bei denen, die diese Qualität täglich erbringen. Ich sehe, wenn überhaupt, Veränderungspotenzial in der Vergütung bei Riester. Hier sollte es bei Umdeckungen keine Vergütung mehr geben; die staatlichen Zulagen sollten ebenfalls abschlusskostenfrei vereinnahmt werden.

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