Die Anti-Niedrigzins-Strategie der Versicherer

Goldman Sachs hat sich die Anlagestrategie der Versicherungen in der aktuellen Niedrigzinsphase angeschaut. Das Rezept gegen niedrige Renditen heißt danach anscheinend: Mehr Risiko. Wie die Versicherer das konkret umsetzen, zeigt die aktuelle GSAM-Studie.

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Die Investmentchefs der Versicherungsbranche bevorzugen derzeit weniger liquide Assets wie Infrastrukturanleihen, Private Equity, gewerbliche Hypothekendarlehen und Immobilienbeteiligungen. Insgesamt scheinen Versicherer niedrige Renditen derzeit mit mehr Risiko zu bekämpfen. Im Vorjahr investierten sie hingegen noch in zinsvariable Bankanleihen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Versicherungsstudie von Goldman Sachs Asset Management (GSAM).

Der Vermögensverwalter führte die Studie von Mitte Februar bis Anfang März 2014 zum dritten Mal durch. Er befragte dafür 233 Investmentchefs (CIOs) und  41 Finanzchefs (CFOs) von Versicherungsunternehmen aus aller Welt und aus allen Sparten.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie  sind:

  • Alternative Anlagen und Aktien sind beliebt. Mehr als 25 Prozent der befragten CIOs setzt 2014 auf Private Equity. Auch bei amerikanischen und europäischen Aktien rechnen sie mit hohen relativen Erträgen.
  • Die Portfolio-Gewichtungen verschieben sich. Die CIOs wollen bevorzugt in Anlageklassen mit einem höheren Gesamtrenditepotenzial anlegen, welche eine Illiquiditätsprämie sowie Schutz vor steigenden Zinsen und Inflationsraten bieten. Im Gegenzug soll weniger in Geldmarktpapiere, andere kurzfristige Instrumente und Staatsanleihen investiert werden.
  • Finanzchefs sind optimistischer als Investmentchefs. Rund ein Drittel der befragten CFOs sieht verbesserte und 29 Prozent verschlechterte Anlagemöglichkeiten. Unter den CIOs sieht ein Viertel die Anlagemöglichkeiten positiv – 40 Prozent hingegen sind nicht dieser Meinung.
  • CFOs sind aufgeschlossener. Nur 6 Prozent der befragten Finanzverantwortlichen denken, dass ihre Vergleichsgruppe ein zu hohes Investmentrisiko eingeht. 2013 waren es noch rund 30 Prozent. Etwa 20 Prozent der CFOs halten die Risikobereitschaft ihrer Vergleichsgruppe für unzureichend.
  • Die Sorge vor volatilen Märkten ist groß. Weltweit sehen CIOs und CFOs kurzfristig die größten Risiken bei volatilen Kredit- und Aktienmärkten. Eine straffe Geldpolitik ist für sie ebenfalls ein zentrales makroökonomisches Risiko.
  • Deflation ist ein kurzfristiges Risiko. Mehr als 20 Prozent der befragten CIOs rechnen im nächsten Jahr mit einer Deflation. Das sind doppelt so viele wie 2013. Rund 80 Prozent der Investmentverantwortlichen sehen in den nächsten zwei bis fünf Jahren diese Gefahr.
  • Branchenfremde Kapitalzuflüsse geben zunehmend Anlass zur Sorge. Die Hälfte der Sach- und Haftpflichtversicherer der Studie glaubt, dass alternative Kapitalzuflüsse die Preispolitik verschlechtert. Bei den Lebensversicherern sehen dies 13 Prozent genauso. Fast die Hälfte der CFOs in der Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) stimmt hier zu.
  • „Versicherer sind weiter auf der Suche nach Rendite, halten aber Unternehmensanleihen und börsennotierte Aktien für überbewertet oder allenfalls fair bewertet. Die CIOs suchen daher zunehmend nach Alternativen abseits der traditionellen Anlageklassen“, fasst Michael Siegel, Globaler Leiter des Insurance Asset Managements bei GSAM, die Situation zusammen.

    Pfefferminzia HIGHNOON