Top-ThemaEinkommenssicherung

Plädoyer für eine faktenbasierte Diskussion Warum die private BU-Rente nicht gescheitert ist

Michael Franke ist Geschäftsführer und Mitgründer von Franke und Bornberg.
Michael Franke ist Geschäftsführer und Mitgründer von Franke und Bornberg. © FuB

In den vergangenen Wochen ist eine lebhafte Diskussion entbrannt: Hat die private Berufsunfähigkeitsrente versagt? Zu wenige seien versichert und die Versicherer würden Leistungen systematisch verweigern. Sollte die gesetzliche Rentenversicherung deshalb wieder BU-Rente zahlen? Bitte nicht, meint Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg, in seinem Kommentar.

Anders als die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) individuell und damit einzigartig. Sie kommt nicht von der Stange, sondern sitzt wie ein Maßanzug. Unabhängig vom Verlauf des Arbeitslebens versichert sie immer die zuletzt vor Eintritt des Leistungsfalls ausgeübte Tätigkeit. Und das nicht für ein allgemeines Berufsbild wie zum Beispiel kaufmännische Angestellte, sondern genau für die Tätigkeitsausprägung, wie sie der oder die Versicherte tatsächlich ausgeübt hat.

Das kann ein reiner Schreibtischjob, aber auch mit ausgeprägter Reisetätigkeit verbunden gewesen sein. Dann bekommt die Einschränkung, nicht mehr Auto fahren zu können, ein ganz anderes Gewicht. Das Beispiel zeigt: Eine Leistungsprüfung zur privaten BU-Versicherung muss ebenso individuell sein wie die versicherten Menschen und ihre Berufsbilder. Es gibt kein „Schema F“. Und auch medizinische Beurteilungen im Krankheitsfall können nicht pauschal, sondern nur mit Bezug auf die genaue Tätigkeit mit all ihren Facetten erfolgen. Das aber überfordert die meisten Ärzte regelmäßig.
Werbung


Problem Psyche

Als größte Komplexitätstreiber erweisen sich psychische Erkrankungen, die sich zur BU-Ursache Nummer 1 entwickelt haben. Nur Spezialisten können feststellen, welche Auswirkungen psychische Beeinträchtigungen beim jeweiligen Tätigkeitsbild haben. Und diese Spezialisten sind Mangelware. Die knappen Ressourcen werden zudem in erster Linie von den Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung abgerufen. Regulierungsdauern von mehreren Monaten sind oft zwangsläufige Folge. Wer dies als Verschleppungspraktiken bezeichnet, hat sich entweder mit der Thematik nicht auseinandergesetzt oder reklamiert – bewusst oder unbewusst – einfachere Lösungen.



Absicherungen mit standardisierter und somit schnellerer Leistungsprüfung gibt es bereits, beispielsweise Grundfähigkeits- und Dread-Disease-Versicherungen. Diese Tarife haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie erreichen die Anerkennungsquoten der BU nicht. Die Regulierung wird damit zwar deutlich verkürzt, endet dafür aber sehr viel öfter mit einer Ablehnung.

Zu viele Ablehnungen?

Kritiker monieren regelmäßig die vermeintlich zu hohe Ablehnungsquote der privaten BU. Aber was bedeutet eigentlich hoch? Bei Stichproben im Rahmen unserer BU-Leistungspraxis-Studie wurde nur jeder vierte Antrag abgelehnt. Zum Vergleich: In der gesetzlichen Rentenversicherung bekommt jeder zweite Antragsteller keine staatliche Erwerbsminderungsrente. Wer trotzdem denkt, dass die Versicherer im großen Stile ungerechtfertigt Ablehnungen aussprechen, sollte einen Blick auf den Ausgang von Gerichtsverfahren werfen.

Nach unserer Stichprobe verlieren Versicherer noch nicht einmal einen von zehn Prozessen. Systematische Leistungsverweigerung sieht anders aus. Auch wenn die absolute Anzahl der Prozesse sehr gering ist, stimmt dennoch nachdenklich, dass 60 Prozent der Gerichtsprozesse mit einem Vergleich enden. Ein Vergleich kann auch zu Gunsten des Versicherten ausgehen; ein vertragliches Anerkenntnis sollte aber den Regelfall und nicht die Ausnahme bilden. Die hohe Vergleichsquote dürfte auch auf chronische Überlastung der Gerichte zurückzuführen sein.

Was dennoch bleibt, sind einige nicht nur ärgerliche, sondern unakzeptable Fälle. Hier halten sich Versicherer nicht an die Spielregeln ihrer eigenen Produkte. Diesen Verwerfungen muss man nachgehen und sie auch öffentlich machen. Wer diese Vorgänge aber instrumentalisiert, um eines der wichtigsten und besten Versicherungsprodukte für Verbraucher in Misskredit zu bringen, handelt verantwortungslos. Denn gerade vorsätzliche oder fahrlässige Pauschalurteile halten immer mehr Erwerbstätige davon ab, den existenzsichernden BU-Schutz zu beantragen. Werden die auf öffentliche Erregung bedachten Kritiker diesen Menschen unter die Arme greifen, falls sie nicht mehr arbeiten können? Ich habe da meine Zweifel.
1 2 3 4

Direkt zu dieser News
Fragwürdiges Urteil des BGH: Kunde bekommt BU-Rente trotz absichtlicher falscher Gesundheitsangaben
Fragwürdiges Urteil des BGH Kunde bekommt BU-Rente trotz absichtlicher falscher Gesundheitsangaben

Hat ein Kunde selbst dann Anspruch auf BU-Rente, wenn er bei der Antragstellung absichtlich bei den Gesundheitsfragen schummelt? So sieht es aus. Zumindest hat der BGH das zuletzt in einem Urteil bestätigt. Welche Folgen hat das für den Markt? Versicherungsmakler Matthias Helberg geht auf einige Konsequenzen ein und plädiert für eine BU ohne Gesundheitsfragen aber mit zehn Jahren Wartezeit. mehr...

BU-Versicherung und ihre Alternativen: Schutz mit Haken
BU-Versicherung und ihre Alternativen Schutz mit Haken

Die eigene Arbeitskraft gegen Risiken abzusichern gehört zur wichtigsten Vorsorge. Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), die für viele nicht bezahlbar oder zu bekommen ist, gibt es eine Vielzahl Ausweichprodukte auf dem Markt. Bei der Auswahl sind allerdings gute Berater gefragt. mehr...

Lukrativer Job Finanzexperte?: In diesen Berufen verdienen Sie das meiste Geld
Lukrativer Job Finanzexperte? In diesen Berufen verdienen Sie das meiste Geld

In welchem Beruf kommt man in München auf ein jährliches Durchschnittsgehalt von 116.000 Euro? Und wer muss sich mit gerade einmal 62.000 Euro begnügen? Wir verraten nur so viel: Finanzexperten liegen im Mittelfeld. mehr...

Fünf BU-Tipps im Podcast: Worauf Makler bei der Nachversicherung achten sollten
Fünf BU-Tipps im Podcast Worauf Makler bei der Nachversicherung achten sollten

Neuer Job, Hochzeit oder Nachwuchs? Es gibt viele Gründe, warum eine Nachversicherung in der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Kunden sinnvoll sein kann. BU-Experte Stephan Kaiser gibt im Podcast fünf nützliche Beratungstipps für die Nachversicherung und den Wechsel der BU-Police. mehr...

Podcast Straßenumfrage zur BU-Versicherung: „Später bereue ich es wahrscheinlich, aber ich schließe keine Versicherung ab“
Podcast Straßenumfrage zur BU-Versicherung „Später bereue ich es wahrscheinlich, aber ich schließe keine Versicherung ab“

Finanzielle Sicherheit schätzen die Deutschen sehr hoch ein. Doch wer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, verdient auch kein Geld. In einer Straßenumfrage in der Kölner Innenstadt hat Pfefferminzia die Passanten danach gefragt, wie hoch sie das Risiko, nicht mehr arbeiten zu können, für ihre Berufsgruppe bewerten. mehr...

Wenn der BU-Schutz nicht mehr ausreicht: „Besser die alte BU ergänzen als komplett neu abzuschließen“
Wenn der BU-Schutz nicht mehr ausreicht „Besser die alte BU ergänzen als komplett neu abzuschließen“

Wenn Makler alte Berufsunfähigkeitsverträge ihrer Kunden anpassen möchten, kommt es häufig zu Schwierigkeiten. BU-Experte Stephan Kaiser über die Problematik der Nachversicherung und den Wechsel der BU-Police. mehr...

Ein Tag mit der Bayerischen
Werbung



Mit ihrem Reinheitsgebot verspricht die Bayerische ihren Kunden transparente Produkte, einen umfassenden Service und persönliche Beratung.

Sehen Sie im Video, wie die Partner und Mitarbeiter der Bayerischen das Reinheitsgebot im Alltag umsetzen.
Unfallschaden online melden
Werbung

Sterne

Hier können Ihre Kunden ihren Schaden online melden oder ein Schadenformular herunterladen.
Video BU-Versicherung
Werbung



Wer aufgrund einer Krankheit nicht mehr arbeiten kann, verfügt auch über kein Einkommen. Laut Statistik ist jeder vierte Mensch von diesem Schicksalsschlag bedroht.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung der Bayerischen schließt die Einkommenslücke, wenn Ihre Kunden durch Erkrankung oder Unfall ihren Beruf nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausüben können. Erfahren Sie mehr im Video.
Online-Rechner: Wert der Arbeitskraft
Werbung

Sterne

Wer ahnt schon, dass er im Laufe seines Arbeitslebens einen Millionenbetrag erarbeitet? Rechnen Sie aus, was die Arbeitskraft Ihrer Kunden wert ist. Und welche Versorgungslücken entstehen, wenn die Arbeitskraft ausfällt.

Zum Online-Rechner „Wert der Arbeitskraft“

Unfall-Police Individual
Werbung


Die Unfallpolice Individual der Bayerischen deckt finanzielle Folgen eines Unfalls ab. Sie leistet zudem bei Invalidität, ersetzt Rentenansprüche und kommt für medizinisch notwendige Hilfsmittel auf.

Martin Gräfer, Mitglied der Vorstände, und Maximilian Buddecke, Leiter Maklervertrieb der Bayerischen, erläutern im Interview, welche weiteren Leistungen die Police erbringt.