Kritik von Aktionärsvertreter MLP-Chef weist Rücktrittsforderung zurück

Karl Benedikt Biesinger (l.) ist Mitgründer der Heidelberger Kanzlei Reiserer Biesinger Rechtsanwälte. MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg auf der MLP-Hauptversammlung 2016.
Karl Benedikt Biesinger (l.) ist Mitgründer der Heidelberger Kanzlei Reiserer Biesinger Rechtsanwälte. MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg auf der MLP-Hauptversammlung 2016. © Reiserer Biesinger Rechtsanwaelte / MLP

Auf der MLP-Hauptversammlung ist heftige Kritik an der Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Uwe Schroeder-Wildberg laut geworden: Rechtsanwalt Karl Benedikt Biesinger forderte ihn zum Rücktritt auf. Ein MLP-Sprecher stellte indes die Absichten des Aktionärsvertreters infrage.

„Die Motivlage von Herrn Biesinger ist unserer Meinung nach intransparent“, nahm ein Unternehmenssprecher auf Anfrage unseres Schwestermagazins DAS INVESTMENT.com Stellung zur heftigen Kritik des Heidelberger Gesellschafts- und Bilanzrechtlers Karl Benedikt Biesinger am MLP-Vorstand.



Der Vertreter von nicht weiter genannten „besorgten MLP-Aktionären und Mitarbeitern“ habe sich für die persönlichen Interessen Einzelner einspannen lassen. „Seine Kritik ist für uns nicht nachvollziehbar – genauso wenig wie für einen Großteil der Aktionäre: Der Vorstand wurde mit 99,86 Prozent entlastet.“

MLP-Chef zum Rücktritt aufgefordert

Konkret appelliert hatte Biesinger an den Unternehmensmitgründer und langjährigen Aufsichtsrats-Chef Manfred Lautenschläger, „der Zerstörung seines Lebenswerkes nicht länger zuzuschauen“. Die aktuelle Entwicklung beschrieb er als einen „schleichenden Niedergang“.

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Erforderlich für einen Kurswechsel sei eine Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Uwe Schroeder-Wildberg, den Biesinger zum Rücktritt aufforderte. Denn die Probleme von MLP, wie der Rückgang des Altersvorsorge-Neugeschäfts gegen den Markttrend, seien zum großen Teil hausgemacht.

„Der größte strategische Fehler“

Als „größten strategischen Fehler“ Schroeder-Wildbergs bezeichnete Biesinger den Verkauf der früheren MLP Lebensversicherung: Die heutige Heidelberger Leben erziele höhere Gewinne als der gesamte MLP-Konzern. Ohne diese Veräußerung wäre MLP heute mehr als doppelt so viel wert.

„Völlig unangemessen“, sei für die AG mit einem Gewinn von knapp 20 Millionen Euro die Vergütung der drei Vorstände von zusammen mehr als 3 Millionen Euro pro Jahr. Auch die „Kontinuität des Abstiegs“ der zu Jahresbeginn aus dem S-Dax herausgefallenen MLP-Aktie sei „beängstigend“.

„Ein interessanter Value-Wert“

Bernd Bötsch, Manager des Stiftungsfonds Prisma Aktiv UI (ISIN: DE000A1W9A77) bewertete die MLP-Aktie im Interview mit DAS INVESTMENT.com hingegen als „interessanten Value-Wert“ mit Potenzial.

Und auch Christoph Bruns, Fondsmanager des Loys Global (ISIN: LU0107944042), äußerte sich im Interview optimistisch: „MLP ist keineswegs ein Turnaround-Kandidat ist und fährt seit Jahren robuste Gewinne ein.“

„Verbreiterte Umsatzbasis“

„Wachstum in nahezu allen Beratungsfeldern“, vermeldete auch Schroeder-Wildberg in seinem Überblick zum vergangenen Geschäftsjahr. Darin räumt der Vorstandsvorsitzende zwar ein, dass das Geschäft mit der Altersvorsorge „marktbedingt sehr schwierig“ bleibe.

Doch MLP profitiere „von der Verbreiterung der Umsatzbasis“. Um im Geschäft mit Sachversicherungen zu wachsen, hatte MLP im vorigen Jahr den Kieler Assekuradeur Domcura Gruppe zu einem Kaufpreis von 18 Millionen Euro erworben.

Der entsprechende Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Schwarzer Familienholding fand heute eine Zustimmung von 99,95 Prozent. Insgesamt hatten mehr als 500 Aktionäre an der Hauptversammlung teilgenommen, die rund 70 Prozent des Grundkapitals vertraten.
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